Firmengründer suchen nach Finanziers
Der Weg zum Wagniskapital

Die Nachfrage von Gründern nach Frühphasenfinanzierung steigt wieder. Doch das Finanzierungsvolumen ist in den vergangenen Jahren wieder zurückgegangen. Das macht die Suche nach den richtigen Investoren oft mühsam.

HAMBURG. Vor zwei Jahren kam Stephan Uhrenbacher seine Geschäftsidee: Ein virtuelles Stadtmagazin, das von den Benutzern selbst geschrieben wird, wollte er aus der Web-Taufe heben. Der Name: Qype. Jeder Nutzer sollte Betriebe und Dienstleistungen - Tankstellen oder Kneipen, Restaurants oder Tagesmütter - selbst bewerten. Doch die Finanzierung seiner Geschäftsidee gestaltete sich zeitaufreibender als zunächst gedacht.

Uhrenbacher berechnete zunächst den Kapitalbedarf für das erste Jahr: Büromiete und Ausstattung, vier Mitarbeiter und vor allem die Entwicklung der Software. Ein Drittel des Startkapitals konnte Uhrenbacher selbst stemmen - relativ viel im Vergleich zu anderen Existenzgründern. Ihm fehlten aber mehrere hunderttausend Euro. Nach einem Termin bei seiner Hausbank wurde ihm aber klar: „Der klassische Kredit ist für mich nicht das Richtige.“ Maschinen, Produkte oder Gebäude als Sicherheit konnte er nicht vorweisen. Ein Stapel Formulare und Schufa-Auskunft würden ihn zu viel Zeit kosten. „Die Konkurrenz schläft nicht“, beschreibt Uhrenbacher den Zeitdruck im Nacken. Er musste schnell aus den Startlöchern heraus.

Auch die Gründerprogramme der KfW-Mittelstandsbank kamen für Uhrenbacher wegen des Zeitdrucks nicht in Frage. Die ehemalige Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet vier spezielle Gründerprogramme. Susanne Schmitt-Wollschläger, Bereichsleiterin Unternehmensgründung bei der IHK in Berlin, hält es unabhängig von der Branche für sinnvoll, eine Gründungsfinanzierung in 15 Prozent Eigenkapital, 25 Prozent Beteiligungskapital für Gründungen aus dem ERP-Fonds der KfW und 60 Prozent aus dem KfW-Programm Unternehmerkredit aufzuteilen.

Uhrenbacher favorisierte aber Eigenkapital zur Finanzierung und wandte sich stattdessen an die Haspa BGM, die Beteiligungsgesellschaft der Hamburger Sparkasse. „Für die waren wir aber zu klein“, erinnert sich der studierte Wirtschaftsingenieur. Die Haspa BGM investiert in mittelständische Unternehmen je zwischen 500 000 und zehn Mill. Euro. Auch die auf Frühphasenfinanzierung spezialisierte Wagniskapitaltochter der Telekom, T-Venture, winkte ab, weil Uhrenbacher nicht gleich zwei oder drei Millionen Euro brauchte.

Seine ersten Finanziers fand Uhrenbacher schließlich Ende 2005 über das Investorennetzwerk Brains To Ventures, bei dem Existenzgründer ihre Idee vor Privatinvestoren präsentieren. Zeit: Maximal zehn Minuten. Uhrenbacher überzeugte. Zwei Business Angels stiegen ein: Nils Weitemeyer, Chef der Softwarefirma Cellity, und ein Unternehmer aus dem Bankenumfeld. Sie wollten etwa die Hälfte der benötigten Summe investieren. Der Knoten war durchschlagen. In den folgenden Wochen kamen vier weitere „Engel“ dazu, darunter Axel Schmiegelow, Gründer der Internetagentur Denkwerk. Zusammen erhielten die sechs Business Angels etwa 20 Prozent der GmbH-Anteile.

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