Firmenkredite: Wende am Kreditmarkt

Firmenkredite
Wende am Kreditmarkt

Über Monate hinweg ist das Volumen neuer Firmenkredite durch die deutschen Finanzinstitute deutlich zurückgegangen. Nun prognostiziert die KfW wieder Wachstum. Die massiven wirtschaftspolitischen Maßnahmen scheinen Wirkung zu zeigen. Zur Erholung am Kreditmarkt dürften in den nächsten Monaten auch konjunkturelle Impulse beitragen.
  • 0

FRANKFURT. Die staatliche Förderbank KfW erwartet in Kürze eine Wende am Kreditmarkt. Schon im vierten Quartal 2010 könnte das Volumen neuer Unternehmenskredite erstmals seit Ende 2008 im Vergleich zum Vorjahr wieder wachsen. Das geht aus dem aktuellen Kreditmarktausblick der KfW hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. "Das Kreditneugeschäft im zweiten Quartal 2010 ist zwar im Vorjahresvergleich noch rückläufig, bereits im laufenden Quartal sollte der Rückgang jedoch zum Erliegen kommen", sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch.

Zwischen April und Juni 2008 sank das Volumen neuer Unternehmensdarlehen noch um acht Prozent. Doch schon das ist gemessen an dem Einbruch von 17 Prozent im ersten Quartal bereits eine Verbesserung. Positiv bewertete die KfW zudem, dass die Banken vor allem deutlich mehr langfristige Kredite vergeben haben, die eine Zinsbindung von mehr als fünf Jahren ausweisen. Solche Kredite dienen oft der Investitionsfinanzierung. Im dritten Quartal dürfte die Kreditneuvergabe in etwa stabil bleiben - die KfW gibt im Hinblick darauf eine Spanne von minus vier bis plus zwei Prozent an. Spätestens zur Jahreswende rechnen die KfW-Volkswirte dann aber mit einer positiven Wachstumsrate von zwei bis zehn Prozent.

"Die aktuelle Dynamik des Kreditneugeschäfts deutet darauf hin, dass die massiven wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Deutschland und Europa eine Störung des Kreditangebots abwenden konnten", sagte Irsch. Die Entspannung am Kreditmarkt hatte sich in den vergangenen Wochen bereits anhand mehrerer Indikatoren angedeutet.

Ein Beispiel ist die vierteljährliche Kreditumfrage der Bundesbank von Ende Juli. Damals hatten die deutschen Banken berichtet, sie hätten ihre Kreditvergabekonditionen im zweiten Quartal erstmals seit Juli 2007 im Durchschnitt nicht weiter verschärft. Schon in den beiden Umfragen zuvor hatte sich gezeigt, dass die Banken die Zügel nur noch geringfügig angezogen haben. Auch die sogenannte Ifo-Kredithürde war im August zum achten Mal in Folge gesunken. Für diesen Indikator befragt das Ifo-Institut monatlich 4000 Firmen danach, ob sie die Kreditvergabepraxis ihrer Banken als restriktiv empfinden.

Das deckt sich auch mit Erkenntnissen der Beratungsgesellschaft Barkow Consulting. Danach haben die Banken zuletzt weniger an neuen Unternehmenskrediten verdient. "Der übergeordnete Trend bei den Margen im Kreditgeschäft mit Unternehmen entwickelt sich seit einigen Monaten rückläufig", sagte Peter Barkow, Gründer von Barkow Consulting. Das zeigen die Nettomargen, also der Zinsaufschlag, den Banken über ihre eigenen Refinanzierungskosten hinaus verlangen. Diese Nettomargen sanken zwischen Ende 2009 und Ende Juli von 1,64 auf 1,42 Prozentpunkte, zeigt das von Barkow entwickelte German Credit Benchmark Modell.

Zur Erholung am Kreditmarkt dürften in den nächsten Monaten aber auch konjunkturelle Impulse beitragen. Angesichts einer steigenden Kapazitätsauslastung dürfte die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft und damit der Kreditbedarf steigen. Zu dem Schluss kommt nicht nur die KfW, sondern auch die von der Bundesbank befragten Banken. Sie gehen davon aus, dass das Kreditvolumen in den nächsten zwölf Monaten steigt, getragen von einer wachsenden Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen.

Kommentare zu " Firmenkredite: Wende am Kreditmarkt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%