Firmenneugründungen
Zu wenig Kapital für Gründer

Finanzkrise und Rezession dürften zu steigenden Firmenneugründungen führen. Doch die Banken halten sich bei deren Finanzierung meist zurück und Wagniskapital gibt es in Deutschland nach wie vor nur begrenzt. Es mangelt an privaten Mitteln für den Aufbau.

FRANKFURT. "Wir bekommen derzeit doppelt so viele Investitionsvorschläge wie vor zwei Jahren", berichtet Bernhard Schirmers, Mitgründer der Tübinger SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement. Trotz Krise steige sogar die Qualität. So hätten sich Bewerber oftmals schon eingehend Gedanken um den Gesamtmarkt und ihre genaue Positionierung gemacht. "Unser Dealflow steigt", sagt auch Hendrik Brandis, Managing Partner bei der Venture-Capital-Gesellschaft Earlybird. "Die Nachfrage nach Kapital ist da."

Sie resultiert nicht nur aus der wachsenden Zurückhaltung von Banken bei Krediten für junge Firmen. Vielmehr beobachten Wagniskapitalgeber, dass es in der Krise einen Trend zum Unternehmertum gibt. Da sind zum einen jene qualifizierten Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren und deshalb den Sprung in die Selbstständigkeit wagen. Hinzu kommt, dass sich Konzerne in harten Zeiten noch stärker auf ihr Kerngeschäft ausrichten. Jahrelang geförderte Entwicklungsbereiche stehen plötzlich zur Disposition - und benötigen frisches Eigenkapital.

Schirmers berichtet von einem Fall, wo diese "Randaktivität" bereits einen Jahresumsatz von mehreren Mio. Euro einfährt. "Das sind erfahrene Mitarbeiter, die weit mehr als eine Idee entwickelt haben", sagt der Wagniskapitalgeber, der aktuell aus einem 50 Mio. Euro schweren Fonds investiert. "Solche Situationen sind für uns attraktiv." Hinzu kommen aktuell oft gesunkene Firmenwerte, die zusätzlich für Engagements sprechen.

Doch nach wie vor ist die Branche unterentwickelt. "Die Feuerkraft der deutschen Venture-Capital-Industrie ist beklagenswert niedrig", räumt Earlybird-Manager Brandis ein. In den USA sei das Segment fast zwanzigmal so groß wie hierzulande, wo es nur rund eine Hand voll Fonds mit mehr als 100 Mio. Euro Kapital gebe. 2008 wurden nur 390 Mio. Euro investiert - praktisch so wenig wie im Vorjahr.

"Wir haben definitiv einen Mangel an privatem Wagniskapital, sind hier auf dem Niveau einer deutlich kleineren Volkswirtschaft wie Israel", räumt Schirmers ein. Der Investor sieht aber zuletzt Anzeichen für eine leichte Besserung. Diese wäre auch dringend nötig. Denn in der Vergangenheit haben vor allem junge, forschende Unternehmen bahnbrechende Technologien entwickelt - und damit für neue Arbeitsplätze gesorgt. "Hier haben wir derzeit ganz klar ein volkswirtschaftliches Problem", resümiert Schirmers.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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