Flexibilisierung
Mittelständler bekommen Hilfe bei der Aus- und Weiterbildung

Auf der Suche nach qualifiziertem Personal setzen viele Mittelständler auf eigene Aus- und Weiterbildung. Die Bundesregierung fördert nun bundesweit 28 Modellprojekte, die die Mitarbeiterqualifikation flexibilisieren - und den Unternehmen die Chance geben, neue Azubis einzustellen.

DÜSSELDORF. Thomas Hellmann führt gemeinsam mit seinem Vater das Unternehmen "Elektro Venn" in Duisburg. Der Betrieb, der etwa hundert Mitarbeiter beschäftigt, hat sich auf die Installation von Elektro- und Informationssystemen spezialisiert. Zu den Aufgaben von Thomas Hellmann gehört aber nicht nur die Koordination der Aufträge. Er hat auch die Betreuung der 19 Auszubildenden übernommen. Aufgabenteilung in Familienbetrieben: Nichts Ungewöhnliches, der Mittelständler will Zeit in den Nachwuchs investieren, um die Zukunft des Betriebes zu sichern. Die Arbeit ist intensiv: Ausbildungshefte kontrollieren, Koordination der Inhalte mit Schulen und Ausbildungszentren und zwei Probewochen für Azubis nehmen viel Zeit in Anspruch. Dazu gehört auch, sich über neue Wege in der Qualifizierung zu informieren.

Unterstützung bekommt Hellmann nun von einem Programm der Bundesregierung. Bei der Initiative "Flexibilisierungsspielräume für die Aus- und Weiterbildung" wurden 28 Modellprojekte erarbeitet. Sieben Jahre lang lief das Programm, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt zwölf Mio. Euro gefördert wurde - und das mit dem Abschluss in diesen Tagen viele neue Ideen für die Aus- und Weiterbildung in mittelständischen Unternehmen auf den Weg gebracht hat. "In Zeiten des wirtschaftlichen Wandels stehen die Unternehmen vor einer besonderen Herausforderung", sagt Gisela Westhoff, wissenschaftliche Direktorin beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das die Initiative koordiniert hat.

Das Schweriner Ausbildungszentrum stellte sich etwa die Frage, wie es gelingen kann, die Bedürfnisse der Mittelständler besser mit den Ausbildungszielen von Lehrlingen in Einklang zu bringen: "Die Unternehmenskultur in Mecklenburg-Vorpommern wird durch viele kleine Betriebe geprägt", sagt Herbert Michel, Geschäftsführer des Ausbildungszentrums. Weil viele aber nicht über eigene Praxisräume verfügen, sind sie auf die Angebote externer Bildungsträger angewiesen. Während der drei- bis dreieinhalb Lehrjahre verbringen die Auszubildenden in technischen oder gewerblichen Berufen deshalb bis zu 30 Praxiswochen bei externen Bildungsträgern. Das Problem ist nur: Oft passen die Angebote gar nicht zu den Bedürfnissen der Betriebe. Die drei Jahre der Entwicklungsphase nutzte das Schweriner Ausbildungszentrum deshalb für die Entwicklung neuer Konzepte: "Wir müssen lernen, uns stärker als Dienstleister zu sehen", sagt Herbert Michel, "mit den Betrieben stimmen wir individuell ab, welche Bedürfnisse sie haben."

Die Möglichkeiten für mehr Spielräume sind da: Für viele Berufe wurden neue Ausbildungsverordnungen verabschiedet, um den Betrieben einen Anreiz zu geben, mehr Azubis einzustellen: "Die Unternehmen haben durch die Reform mehr Gestaltungsmöglichkeiten bekommen", sagt Thomas Reglin, stellvertretender Leiter des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung in Nürnberg. So sei etwa das Prüfungsverfahren erneuert worden. Die Zwischen- und Abschlussprüfungen der Azubis zielen nun stärker auf die Bedürfnisse im Unternehmen - eine Situation, an die viele Ausbilder erst herangeführt werden müssen. Im Rahmen der Initiative hat das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung ein Projekt angestoßen, das sich mit Fragen der Weiterbildung beschäftigt: "Wir haben erprobt, wie die Zertifizierung verbessert werden kann", sagt Reglin. Oft fehle eine ausführliche Beschreibung der Seminarinhalte, so dass Arbeitgeber nur schwer einschätzen können, welchen Gewinn eine Schulung für das Unternehmen bringt.

Gemeinsam mit einem Tourismusunternehmen hat das Institut eine andere Herangehensweise erarbeitet. Arbeitgeber und-nehmer sollten vor der Schulung gemeinsame Zielvereinbarungen formulieren, die zwei bis drei Monate nach dem Seminarbesuch umgesetzt werden. Erst danach wird das Zertifikat ausgestellt: "Die Investition ist zwar mit mehr Zeit und Kosten verbunden", sagt Reglin, "kann sich aber auf lange Sicht positiv auf die Wertschöpfung des Unternehmens auswirken."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%