Flexible Manager
Führungskräfte für zwischendurch sind gefragt

Stippvisite in der Chefetage: In Familienunternehmen nimmt der Einsatz von Führungskräften auf Zeit rasant zu. Die Branche floriert dank anziehender Konjunktur und kümmert sich etwa um kurzfristiges Krisenmanagement.

KölnDen Großteil seiner Mission bei einem Brandenburger Mittelständler hat Daniel Schaetzler erfolgreich abgeschlossen. Jetzt berät er nur noch an drei Tagen im Monat. Im letzten Jahr war es ein Full-Time-Job, die Unternehmensnachfolge des Hi-Fi-Herstellers zu regeln. Mehr als zwölf Monate dauerte die Suche - nun erschließt der Betrieb unter neuer Leitung auch internationale Märkte. Schaetzler wurde als Interim-Manager geholt, jetzt geht er wieder von Bord. "Ich selbst komme für einen dauerhaften Einsatz nicht infrage", sagt er. "Unser Job ist es, Nachfolgern den Weg zu ebnen."

Nicht nur das: Krisenmanagement, Ertragssteigerung und Geschäftsentwicklung, das sind die drei Haupteinsatzgebiete für die Führungskräfte auf Zeit. Die Branche floriert dank anziehender Konjunktur: "Wir werden vermutlich in diesem Jahr erstmals mehr als eine Milliarde Euro an Honoraren verbuchen", sagt Jens Christophers, Vorstand der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM). Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von gut 30 Prozent.

Auf 5500 schätzt Christophers die Zahl der Interim-Manager in Deutschland. Vor allem Betriebe, die zwischen 500 und 1000 Mitarbeiter beschäftigen, fragen verstärkt die Dienste nach. "Großer Bedarf besteht bei den Feldern Ertragssteigerung und Geschäftsentwicklung, also bei Aufgaben wie der Integration gekaufter Unternehmen oder der Internationalisierung", sagt Christophers. Der Boom beschert der Branche ein Luxusproblem: "Wir haben Schwierigkeiten, für jede Anfrage einen Manager mit dem geeigneten Profil zu finden."

Ein Interim-Manager kostet in der Regel zwischen 750 und 1000 Euro am Tag. Die durchschnittliche Dauer eines Einsatzes beträgt rund sieben Monate. Es gibt kaum eine Branche, die auf die Führungskräfte auf Zeit verzichtet. Vor allem im Maschinenbau und bei der Auto- und Zulieferindustrie sind sie derzeit begehrt.

Bei der Besetzung eines Management-Postens sollte sich ein Mittelständler mindestens zwei bis vier Wochen Zeit lassen - so lange dauert es nach Ansicht von Christophers, einen geeigneten Kandidaten zu ermitteln. Schnellschüsse bei der Auswahl zählt er zu den Kardinalfehlern.

Wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert, bleibt nur die rasche Trennung. Tatsächlich akzeptieren einige Interim-Manager Kündigungszeiten von gerade einmal einem Tag. Auf eine Kündigungsfrist von mehr als vier Wochen sollte sich kein Unternehmen einlassen.

Andreas Schulte
Andreas Schulte
Pressebüro JP4, Richard-Wagner-Str. 10-12, 50674 Köln
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