Flüssiges vom Leistungsträger
Mitarbeiterbeteiligung setzt Rating-Aufwärtsspirale in Gang

Bisher war die Mitarbeiterbeteiligung hauptsächlich in größeren Unternehmen zu finden. Aber in Großbritannien und Frankreich beteiligen laut Ifo-Institut auch immer mehr mittelständische Betriebe ihre Belegschaft am Aktienkapital. Deutsche Firmen sollten dieser Entwicklung folgen. Denn über freiwillige und dauerhafte Beteiligungen können Unternehmer verschiedene Probleme lösen.

REUTLINGEN. Dabei stehen noch immer nur bestimmte Vorteile im Vordergrund. So binden Arbeitgeber ihre Leistungsträger gerne ans Unternehmen, um ihre Motivation aufgrund des eventuellen Gewinnanspruches weiter zu steigern. Gleichzeitig wollen sich die Eigen-tümer damit die Loyalität ihrer besten Mitarbeiter sichern. Einige Betriebe nutzen Mitarbeiterbeteiligungen auch als innerbetriebliche Altersvorsorgeregelung. Und Mittelständlern, die keinen geeigneten Nachfolger haben, leiten mit dieser Form der Einbindung ins Geschäft die Übergabe an vertrauenswürdige Personen ein.

Zu den Vorteilen von Mitarbeiterbeteiligungen für Arbeitgeber, die noch viel stärker der Akzentuierung bedürfen, zählt die Erhöhung der Eigenkapitalquote. Damit steigen die Chancen auf ein besseres Rating überproportional an, weil die Mitarbeiter mit ihren Einlagen das Eigenkapital aufstocken. Natürlich hängt diese Opportunität bei von Mitarbeitern investiertem Fremdkapital von der sehr spezifischen Ausgestaltung der Vereinbarungen ab. Mitarbeiterbeteiligungen am Eigenkapital – abhängig von der Rechtsform des Unternehmens etwa als Belegschaftsaktien, GmbH-Anteile oder KG-Beteiligungen – erhöhen hingegen immer die Eigenkapitalquote. Sie steigern damit nicht nur die Kreditwürdigkeit, sondern wirken sich positiv aufs Rating des jeweiligen Unternehmens aus.

Doch wie können Mitarbeiterbeteiligungen eine Aufwärtsspirale in Gang setzen, um damit die finanzwirtschaftlichen Unternehmenszahlen zu verbessern? Ein kurzer Blick nach Übersee zeigt, dass nicht nur die bessere Eigenkapitalquote diese Aufwärtsspirale antreibt, sondern auch das unterschiedliche Ratingverständnis, das in diesem Kontext auf hiesige Unternehmen in nächster Zeit zukommt. In Deutschland sehen Mittelständler Rating oft nur in Verbindung mit der Eigenkapitalvereinbarung der Ban-ken nach Basel II. Für einige Unternehmen bedeutet der Baseler Akkord also vor allem mehr Aufwand, Bürokratie und Gängelung durch die Banken.

In den USA dient das Rating hingegen als Verfahren für die Einschätzung von Unternehmen, Gegenständen oder auch Personen. Danach bewertet das Rating nicht nur die künftige Zahlungsfähigkeit eines Schuldners nach einem bestimmten Verfahren, sondern auch Qualität und Leistungen von einer Vielzahl von Produktanbietern, Händlern und Dienstleistern. In Städten wie Boston werben Unternehmen aller Branchen und Größenklassen damit. Selbst Zahnärzte und Autohäuser, Schönheitschirurgen und Landschaftsgärtner, Steuerberater und Rechtsanwälte veröffentlichen ihre Ratings im Internet. Denn das Wirtschaftsleben in den USA gestaltet sich wesentlich transaktionsgetriebener und transparenter, so dass Ratings fast schon zur Voraus-setzung gehören, um im Geschäft zu bleiben oder sich neu am Markt zu etablieren.

Ein attraktives Rating spornt damit auch Mitarbeiter an, die eine Vielzahl von Investi-tionsangeboten sehr genau prüfen, sich am arbeitgebenden Unternehmen finanziell zu beteiligen. Nach ihrer Investition wirkt sich ihr Engagement auf ihre Leistungsbe-reitschaft, Innovationsfähigkeit und Motivation sehr positiv aus. Die daraus resultierenden Kennzahlen haben wiederum direkten Einfluss auf das Unternehmensergebnis, aber auch auf die quantitativen und qualitativen Ratingkriterien. Auch Spitzen-Leistungsträger außerhalb des Betriebs orientieren sich schon heute – ähnlich wie in den USA – verstärkt an den Ratings der Unternehmen, bei denen sie einsteigen wollen. Noch bessere Ratings überzeugen wiederum noch mehr Mitarbeiter, ins Unter-nehmen zu investieren und Leistungsträger auch einzusteigen. Die Aufwärtsspirale kommt in Gang.

Ottmar Schneck ist Professor für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen und Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

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