Fördergelder
Wie im Dschungel

Kleine Unternehmen kommen nur schwer an Fördergelder. Oftmals scheuen die Mittelständler den unübersichtlichen Förderdschungel oder scheitern schlichtweg an der Banken-Bürokratie. Nun legen einige Institute neue Programme auf. Günstige Kredite und flexible Laufzeiten sollen die Mittelstandsförderung beleben.

HB. Seit Wochen wartet Jörg Donicht, Geschäftsführer eines gleichnamigen Stahl- und Metallbaubetriebes in Bottrop, auf die Zusage für seinen zinsgünstigen Förderkredit von der NRW-Bank. "Eigentlich ist es nur eine Formsache, aber zurzeit ruht alles", sagt er, "man merkt, es wird aktuell in der Finanzkrise schwierig." Donicht hat Geld aus dem Förderprogramm der NRW-Bank beantragt, um seinen Betrieb durch eine Übernahme zu vergrößern. Vor acht Jahren, als er schon einmal in ein anderes Unternehmen einstieg, war alles noch viel einfacher. "Nach drei bis vier Wochen war der Antrag über die Bühne", sagt er. "Jetzt warte ich schon seit August."

Gerhard Delfs, Inhaber eines gleichnamigen mittelständischen Softwareunternehmens aus Hamburg, bemüht sich seit Jahren um Fördermittel. Sein Betrieb berät andere mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung eigener Software. Delfs hat Liquiditätsüberbrückungsdarlehen von der KfW-Bankengruppe und Mittel aus diversen Technologieförderprogrammen beantragt. Doch die Hürden wurden immer höher: Zuletzt sollte Delfs noch zwei, drei Universitäten für sein Projekt begeistern, um an die Fördergelder zu kommen. Er gab schließlich auf: "Das sprengt für mich als Kleinunternehmer jeden Rahmen."

Oft gucken gerade kleine Mittelständler wie Donicht und Delfs beim Kampf um Fördermittel in die Röhre, sagt Thomas Zick, Geschäftsführer der C&C Unternehmensberatung in Windhagen bei Bonn. Sie scheuen den Förderdschungel mit mehr als 1 200 unterschiedlichen Programmen, bürokratische Banken und hohe Gebühren. Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Bank zeigt, dass nur rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen öffentliche Fördermittel nutzt, obwohl 61 Prozent dieser Unternehmen grundsätzlich Interesse daran hätten, diese in Anspruch zu nehmen. Doch oft sind die Programme gar nicht bekannt, heißt es in der Studie.

Mancher Unternehmer scheitert auch an seiner Hausbank, bevor die seinen Antrag an die Förderbank weiterreicht. Denn die Hausbank muss die Unterlagen prüfen und für die Rückzahlung der öffentlichen Mittel einstehen. Die Arbeit machen sich manche Banker aber lieber, wenn es um Darlehen des eigenen Instituts geht.

Im Jahr 2007 haben Europäische Union, Bund und Länder über die Förderbanken mehr als 25 Milliarden Euro für mittelständische Unternehmen bereitgestellt. Der Bund verteilt seine Mittel hauptsächlich über die KfW-Bankengruppe; zudem unterhält jedes Bundesland eine Förderbank. Zinsgünstige Darlehen, nicht rückzahlbare Investitionszuschüsse, Beteiligungen, Bürgschaften oder Beratungsleistungen sollen Mittelständlern helfen, ihr Geschäft auszubauen oder finanziell über die Runden zu kommen. Unter anderem werden neue Arbeitsplätze gefördert, umwelt- und klimafreundliche Projekte, bestimmte Regionen, neue Technologien, Exportinvestitionen oder neue Finanzierungsprodukte.

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