Folgen der Krise
Transporteure rollen in die Pleitewelle

In der Krise ist der Umsatz von kleinen Fuhrunternehmen besonders stark eingebrochen. Jetzt wird die dünne Kapitaldecke zur Gefahr. Besonders schlecht steht es um Firmen, die Güter für die angeschlagene Automobilindustrie transportieren.

KÖLN. Baden-Württemberg macht den größten Ärger. Da muss Olaf Bienek nicht lange nachdenken. Um 24 Prozent ist sein Umsatz dort in den vergangenen Monaten eingebrochen, in anderen Regionen sind es nur drei Prozent. "Das ist Krise live", stellt der Geschäftsführer der Berliner Kunzendorf-Spedition lapidar fest. Dabei fährt er gar nicht direkt für die in Baden-Württemberg geballt ansässige und stark gebeutelte Automobilindustrie, sondern transportiert Stückgut wie Paletten und Kisten aus anderen Industriezweigen und dem Verbrauchergeschäft. Aber viele Unternehmen im Ländle hängen indirekt an den Autoherstellern und lassen Bieneks Umsatz schrumpfen.

Um mit einem blauen Auge durch die Krise zu kommen, muss Bienek sparen. Das tut er bisher vor allem bei seinen Subunternehmern. Je nach Niederlassung beschäftigt er jetzt bis zu 20 Prozent weniger Dienstleister. Außerdem kommt dem Speditions-Chef zugute, dass er Mitglied in einem Spediteursnetzwerk ist, einer so genannten Stückgutkooperation.

Die Wirtschaftskrise hat kleine und mittelständische Transporteure und Speditionen besonders hart erwischt. Die Zahl der Insolvenzverfahren im Straßengüterverkehr ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts zwischen Januar und April um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Bei Speditionen, die im Gegensatz zu reinen Transportunternehmen auch weitere Logistik-Dienste übernehmen oder über Schiffe und Flugzeuge verfügen, gab es in diesem Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr neun Prozent mehr Insolvenzverfahren.

Besonders schlecht steht es um Firmen, die Güter für die angeschlagene Automobilindustrie transportieren. Wer Konsumgüter oder Lebensmittel fährt, steht dagegen noch relativ gut da. Passend zum gemischten Branchenbild gibt sich der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) abwartend. "Wir gehen nicht davon aus, dass es bei den Speditionen zu einer großen Insolvenzwelle kommt", sagt DSLV-Geschäftsführer Heiner Rogge. "Im reinen Transportbereich rechnen wir hingegen mit vielen Insolvenzen."

Das Problem: Kurzfristig können Spediteure und Transporteure kaum etwas tun, um sich durch die Krise zu retten. Kurzarbeit könne helfen, sagt Logistik-Professor Peter Klaus von der Universität Erlangen-Nürnberg. Das Tourenmanagement lasse sich allerdings kaum schnell verbessern. Und wer eine dünne Kapitaldecke hat und viele geleaste Lkw nutzt, hat einen ganz schlechten Stand, warnt Klaus. Besonders kleine Unternehmen, die als Subunternehmer für große Mittelständler oder Konzerne tätig sind, können ihre Lage kaum selbständig verbessern - bei ihnen sparen die Auftraggeber zuerst. "Der Druck wird von oben nach unten weitergereicht", sagt Klaus. "Und es gibt unter den Ladungstransportunternehmen viele, deren Liquidität keinen weiteren Spielraum mehr zulässt."

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