Forderungsverkauf
Siemens löst Finanzprobleme

Nicht nur die Großbanken haben den Mittelstand als Kunden wiederentdeckt, auch die Industriekonzerne gehen mit speziellen Nischenangeboten in diesen wachsenden Markt. Ein Beispiel ist die Siemens Financial Services GmbH, die ihre Expertise bei der Forderungsfinanzierung verstärkt Interessenten außerhalb des Technologiekonzerns zur Verfügung stellt.

FRANKFURT. „Rund 80 Prozent des Geschäftsvolumens entfallen noch auf interne Forderungsverkäufe im Konzern, das Drittkundensegment wird für uns aber immer wichtiger“, sagte Martin Hartge, Vertriebsleiter Forderungsfinanzierung für externe Kunden, auf einer Veranstaltung in Frankfurt.

Der Verkauf von Forderungen sichert den Mittelständlern eine ausreichende Liquidität. Praktisch erhält der Unternehmer einen Vorschuss von bis zu 100 Prozent auf seine Forderungen an Kunden, das schont die Kreditlinien bei den Banken und steigert den Cash-flow. Neben der erhöhten Liquidität lohnt sich das Verfahren auch im Risikomanagement, da ein vollständiger Schutz gegen Zahlungsausfälle erreicht wird. „Tendenziell verbessert der Unternehmer so auch sein Rating“, erläutert Hartge. Eine bessere Bonitätsnote hilft dabei, die Fremdkapitalkosten zu reduzieren.

Allerdings muss der Forderungsverkäufer einen variablen Zinssatz und Gebühren einkalkulieren, die er an den Käufer zahlt. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern sind für Unternehmen mit eher schlechterer Bonität – bei Standard & Poor’s fallen hierunter Noten unter „BBB-„ – Zinsaufschläge zwischen 2,5 und vier Prozentpunkten auf den Referenzzinssatz Euribor, der für Geschäfte zwischen Banken gilt, üblich. Wichtig für den Verkäufer: Er muss dafür geradestehen, dass die Forderung frei von Einreden ist. Darunter verstehe man die Haftung für die „Verität“, also den rechtlichen Bestand der Forderung ohne Einwendungen oder Rechte Dritter, sagt Rechtsanwalt Uwe Jahn von der Kanzlei Morgan, Lewis & Bockius.

Ein Fallbeispiel für die alternative Finanzierungsform ist der „maßgeschneiderte“ Forderungsverkauf der Leoni AG, die Drähte, Kabel und Bordnetz-Systeme für Kfz-Hersteller produziert.

Laut Robert Steiner, Leiter Konzernfinanzen bei Leoni, entschied sich das Unternehmen 2001, den Forderungsverkauf in den Finanzierungsmix aus Anleihen, Krediten und Leasing aufzunehmen – wegen der hohen Flexibilität. So könne Leoni frei entscheiden, wöchentlich Forderungen zwischen null und 50 Mill. Euro an Siemens Financial abzutreten. Die Banken hätten zwar Finanzierungen mit ABS-Papieren – also mit Forderungen unterlegte Wertpapiere zur Platzierung am Kapitalmarkt – bevorzugt. Dies sei aber zu kosten- und zeitintensiv, sagt Steiner.

Leoni veräußert an Siemens Financial nur die besten Forderungen im Wege der „stillen Abtretung“, das heißt, die Schuldner werden nicht informiert. Wenn etwa mehr Forderungen an Daimler-Chrysler im Veräußerungsportfolio seien, dann könne Leoni auf diese Weise gegenüber Siemens die Risikogebühr senken.

Im Unterschied zum klassischen Forderungsverkauf an Spezialfinanzierer der Banken, übernimmt Siemens Financial nicht die Debitorenhaltung, die Verwaltung der Kundenkartei bleibt damit bei Leoni. Außerdem tritt das Unternehmen nur Einzelforderungen von ausgewählten Kunden ab, bei anderen Finanzierern tritt der Verkäufer in der Regel sämtliche Forderungen ab.

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