Forschende Mittelständler
Finanzhilfen zum Nulltarif

Forschenden Mittelständlern fehlt oftmals das Geld, ihre Entdeckungen in die Praxis umzusetzen. Hilfe kommt von der Europäischen Union. Über das siebte Forschungsrahmenprogramm vermittelt sie forschenden Firmen Fördersummen – und zwar umsonst. Denn die Gelder sind nicht als Darlehen angelegt, sondern als sogenannte verlorene Zuschüsse.

FRANKFURT. Der Stoff ist berüchtigt – und steckt in jedem Haus. „Chromat verursacht die sogenannte Mauerkrätze, die bis zum Hautkrebs führen kann“, erklärt Wolfgang Bonder, Geschäftsführer bei der Material Innovativen Gesellschaft in Paderborn. Das mittelständische Unternehmen hat daher nicht nur einen Chromatreduzierer für wasserlösliches Chromat im Zement entwickelt. Es hat auch Grundlagen für eine EU-Gesetzesänderungen initiiert, derzufolge seit 2005 in ganz Europa für Tätigkeiten, bei denen es zu Hautkontakt kommen kann, nur noch Zemente mit einem minimalen Chrom-Gehalten verwendet werden dürfen.

Damit der Chromatreduzierer dauerhaft im Baustoff wirkt, will die Material Innovative Gesellschaft nun ein neuartiges Trocknungsverfahren zur Anwendung einführen. Doch das ist teuer. „Um dieses Vorhaben technisch in die Praxis umsetzen zu können, benötigen wir etwa drei Millionen Euro,“ sagt Geschäftsführer Bonder.

Hilfe kommt von der Europäischen Union (EU). Über das siebte Forschungsrahmenprogramm vermittelt sie forschenden Firmen Fördersummen – und zwar umsonst. Denn die Gelder sind nicht als Darlehen angelegt, sondern als sogenannte verlorene Zuschüsse. Insgesamt hält die EU in der neuen Förderperiode bis 2013 rund 1,3 Mrd. Euro für Forschungsvorhaben im Bereich kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) bereit. Vorgaben für die wissenschaftlichen und technischen Themen der Projekte gibt es keine. Zudem erhalten die Unternehmen die ausschließlichen Rechte an den Entwicklungsergebnissen zum Nulltarif. Voraussetzung ist jedoch, dass sich mindestens drei kleine und mittlere Unternehmen aus drei europäischen Ländern und zwei voneinander unabhängige Forschungsdienstleister an dem Projekt beteiligen.

„Der größte Vorteil dieses Förderinstrumentes ist, dass die Unternehmen Forscher bis zu zwei Jahre kostenlos für sich arbeiten lassen und zusätzlich die alleinigen Rechte bekommen“, sagt Stefan Braun, Berater und Leiter der Nationalen Kontaktstelle KMU bei der Mülheimer Zenit GmbH. Das Unternehmen koordiniert im Auftrag des Bundes die Beratung für den KMU-Bereich des EU-Forschungsrahmenprogramms. Diese Aufgabe nimmt Zenit gemeinsam mit dem Netzwerk der deutschen Innovation Relay Centres (IRCs) wahr. Antragsteller finden in jedem Bundesland spezialisierte Berater. Diese optimieren nicht nur die Anträge, sondern bringen auch Antragsteller und Forschungsdienstleister zusammen. Beratung und Unterstützung sind für die Unternehmen kostenlos.

Bei Bedarf schreiben die Berater auch die Anträge für die Unternehmen. Das lassen sie sich zwar bezahlen, mit ihren Preisen bleiben sie aber deutlich unter den Kosten professioneller Berater. „Die Dienstleistung von Zenit hat 30 000 Euro gekostet“, berichtet Werner Witte, Ingenieur bei der Bültmann GmbH im nordrhein-westfälischen Neuenrade-Küntrop. Witte hat gemeinsam mit seinen Kollegen eine Maschine erfunden, mit der sich die Produktivität bei der Herstellung von Kupfer-Rohren um 50 Prozent steigern lässt. Die Maschine ermöglicht das berührungslose Ziehen durch Linearmotoren.

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