Forschung
Millionen-Förderung weckt wenig Hoffnung

Die Europäische Union stellt 600 Millionen Euro für die Initiative "Factories of the future" zur Verfügung. Besonders kleinen und mittleren Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes sollen die öffentlichen Gelder helfen. Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken ist skeptisch.

KÖLN. Mitte des Jahres hat die Europäische Union ein neues Förderprogramm für öffentlich-industrielle Partnerschaften in der Produktionsforschung gestartet: 600 Mio. Euro stellt sie über vier Jahre für die Initiative "Factories of the Future" (FOF), zu Deutsch Fabriken der Zukunft, zur Verfügung. Besonders kleinen und mittleren Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes sollen die öffentlichen Fördergelder helfen, sich auf den globalen Wettbewerbsdruck einzustellen und neue Technologien zu entwickeln. Außerdem soll der Übergang zu umweltfreundlichen Produktionsverfahren unterstützt werden. "75 Prozent der Fördermittel sollen an Projekte von Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern gehen", verspricht Frank Knecht von der Initiative Manufuture Germany, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Produktionsforschung auf nationaler und europäischer Ebene voranzutreiben.

Die ausgeschriebenen Themen des FOF-Programms konzentrieren sich auf vier Förderbereiche: Plug-and-Produce-Bauteile für flexible Kontrollsysteme, umfassende Zulieferketten bei der Kleinserienfertigung, Fertigungsanlagen für Bauteile mit funktionalen Eigenschaften im Mikro- und Nano-Bereich und Projekte zum Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Produktionsprozess. Angenommene Projekte müssen zur Hälfte von den forschenden Unternehmen selbst finanziert werden, den Rest übernimmt die EU. Mit dieser Maßnahme will die europäische Kommission einen schnellen Beitrag zur Bekämpfung der derzeitigen Wirtschaftskrise leisten.

Dass die Forschungsförderung ein dazu geeignetes Mittels ist, bezweifelt Timo Würz, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW): "Die Krise ist keine Innovations- sondern eine Absatzkrise", sagt Würz. "Wenn den Firmen die Kunden fehlen, können sie noch so interessante Produkte entwickeln." Für wichtig hält er die europäische Unterstützung der Produktionsbetriebe trotzdem: "Endlich sind fertigungsbezogene Themen in das Bewusstsein der EU-Kommission gerückt", so der VDW-Geschäftsführer. Auf die Frage, ob das aktuelle FOF-Programm auch für die Werkzeugmaschinenbranche nützlich sei, hat Würz eine generelle Kritik parat: "Ich habe noch kein europäisches Förderprogramm erlebt, das wirklich gut für unsere Branche geeignet ist." Das liege zum einem daran, dass sich die EU in den vergangenen Jahren stark auf besonders zukunftsträchtige Themen wie Nano-Technologie oder die künstliche Erzeugung von Gewebe konzentriert hat. Die klassische Produktion galt eher als altmodisch. Zum anderen, so Würz, seien europäische Fördervorhaben meistens zu groß, um von Mittelständlern gestemmt zu werden: "Wenn 30 Partner an einem Projekt zusammenarbeiten, ist das ein gehöriger Koordinationsaufwand für einen mittelständischen Betrieb", sagt der VDW-Mann. "Die erhaltenen Fördergelder stehen dann oft in keinem sinnvollen Verhältnis mehr zum Aufwand."

Claudia Rainfurth vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sieht das ähnlich: "Für Mittelständler ist es zunächst schwierig, Fuß in der europäischen Forschungsförderung zu fassen. Man muss ein wenig Geduld haben und sich in den bestehenden europäischen Netzwerken engagieren", rät die Forschungsfachfrau. Deutlich besser seien die Chancen für mittelständische Betriebe, auf nationaler Ebene gefördert zu werden. Und seit die EU die Produktion zu einem wichtigen Thema erklärt hat, falle es auch nationalen Initiativen leichter, Geld vom Staat zu bekommen.

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