Forschung
Mittelstand spart sich Forschung und Entwicklung

Die Eigenkapitalreserven der mittelständischen Unternehmen schrumpfen, Geschäftsführer müssen sparen, um ihr Unternehmen sicher durch die Krise zu steuern. Viele kleinere Firmen geben darum immer weniger für Forschung und Entwicklung aus – und verlängern so die Rezession.

DÜSSELDORF. Drei Jahre Forschung und Entwicklung – so lange hat es gedauert, bis Reinhard Ruthmann, geschäftsführender Gesellschafter bei der Froli Kunststoffwerk Fromme GmbH die Erfindung vorstellen konnte: einen besonderes weichen Schaum mit geschlossener Oberfläche, der die übliche Bepolsterung von OP- und Massageliegen überflüssig macht. Ende dieses Jahres soll der Entwicklungsprozess abgeschlossen sein. Bis dahin wird es auch die ersten Prototypen für ebenso weiche wie widerstandsfähige Sitzschalen für Flughäfen geben, mit denen Ruthmann ganz neue Märkte erschließen will.

Es ist ein weiter Weg von der Entwicklung eines neuen Produkts bis zur Markteinführung, den immer weniger Unternehmen gehen können. „Wir bemerken, dass die Mittel für Forschung und Entwicklung bei vielen mittelständischen Unternehmen stark geblockt werden, soweit überhaupt noch welche dafür vorgesehen sind“, sagt Martina Habel. Die Bielefelder Steuer- und Unternehmensberaterin bekommt viele Einblicke in ostwestfälische Unternehmen. Der Effekt ist bundesweit zu beobachten. „Wenn die Konjunktur nicht bald anzieht, werden die Ausgaben für F&E weiter sinken“, sagt Christian Rammer, Projektleiter deutsche Innovationserhebung beim Zentrum für europäische Wirtschaftforschung (ZEW). Ursache nicht in erster Linie die Kreditklemme, denn F&E wird zumeist nicht über Bankkredite finanziert.

Bei Froli mit Sitz in Schloss Holte Stukenbrock muss der Maschinenpark mit speziellen Steuerungen auf den neusten Stand der Technik gebracht werden. Für Ruthmann ist das trotz Finanzmarktkrise kein Problem: Der 46-jährige Familienunternehmer verfügt noch über genügend Eigenkapitalreserven, um die Neu-Erfindung zur Marktreife zu bringen und in Produktion gehen zu können.

Anderen Unternehmen fällt die Finanzierung von neuen Vorhaben nicht mehr so leicht. Nach Zahlen des Ifo-Instituts werden die Ausrüstungsinvestitionen im Jahr 2009 um mehr als 16 Prozent und 2010 um zwei Prozent zurückgehen. Weniger Investitionen bedeuten aber wenige neue Maschinen und Entwicklungen. Das wird das Wachstum bremsen und den Aufschwung verlangsamen. Das Produktionspotenzial dürfte gedämpft werden.

Das liegt zum einen an strenger gewordenen Kreditrichtlinien. Aber auch an geringeren Absatzzahlen, die wiederum den Cash-Flow senken. „Wenn der Konjunkturaufschwung im zweiten Halbjahr ausbleibt, sind die Rücklagen ausgeschöpft, dann wird es sehr schwierig, auch 2010 das Niveau bei Forschung und Entwicklung zu halten“, sagt Experte Rammer.

Das merkt gerade auch der Kamerahersteller Leica. Die Kultmarke ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Im ersten Quartal fiel ein Verlust von 6,8 Mio. Euro an. Damit verdoppelte sich der Verlust im Jahresvergleich sogar nochmal. Als eine Reaktion auf die dramatische Geschäftslage kürzt das Unternehmen nun seinen F&E-Etat um 2,5 Mio Euro. Dabei wären eigentlich Investitionen in neue Modell nötig.

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