Forschungs und Entwicklung
Partie ohne die Banken

Für viele mittelständische Unternehmen ist es schwierig, die so wichtige Forschung und Entwicklung zu finanzieren. Die Geldinstitute geben für Innovationen nur zögerlich Kredite. Was also können kleine und mittlere Betriebe tun? Es gibt Alternativen.

JESTEBURG. Über die Aufregung, die dieser Tage in Deutschland umgeht, kann Peter Förthmann nur lachen. Die Nation könne an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, weil der Mittelstand das Forschen und Entwickeln verschlafe, ist allenthalben zu hören. Einzelunternehmer Förthmann aus Hamburg hält Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten (F&E) keinesfalls für nebensächlich – ganz im Gegenteil. Sein Unternehmen Windpilot ist gerade wegen seiner Forschung Weltmarktführer von mechanischen Windsteuerungssystemen für Segelyachten geworden und ist seit Jahren der weltweiten Konkurrenz technisch einen Schritt voraus. Verschlafen hat Förthmann nichts. Zwanzig Prozent des Umsatzes hat der Betrieb in den vergangenen 30 Jahren in die Produktentwicklung gesteckt. Er hat andere Schwierigkeiten gehabt: „Versuchen Sie mal als kleiner Mittelständler einen Kredit für Forschungsinvestitionen zu bekommen. Das können Sie schlicht vergessen!“

Das Ergebnis des neuen KfW-Mittelstandspanels 2007 überrascht Förthmann daher nicht. Danach ist jeder zweite Kreditantrag, den Mittelständler mit einer hohen und kontinuierlichen F&E-Arbeit stellten, von Bankenseite abgelehnt worden. Mit der Folge, dass der Anteil der Unternehmen, die echte Innovationen verfolgen, stagniert oder – bei jungen Betrieben – sogar rückläufig ist.

„Da sind eindeutig die Banken gefordert“, sagt Förthmann. Seine Analyse des Problems: Banken und Sparkassen legen immer striktere Kriterien für die Kreditvergabe an. Gleichzeitig ist es bei Entwicklungsideen aber sehr schwer, mögliche Erfolge in ein späteres Cash-Flow-Raster umzurechnen, mit dem Kreditinstitute sich zufrieden geben. „Ganz einfach, weil Forschungsergebnisse nicht konkret vorhersehbar sind.“ Der Hinweis auf vergangene Erfolge helfe meist wenig.

Was also können kleine und mittlere Betriebe tun, um dennoch die so wichtige Forschung und Entwicklung zu finanzieren? „Sofern es irgendwie geht, bestreiten die meisten Unternehmen solche Ausgaben aus dem laufenden Cash-Flow“, sagt Professor Axel Schmidt, Vorstand des Instituts für Mittelstandökonomik (Inmit) der Uni Trier. Allerdings ist das nicht immer möglich. Schon deshalb nicht, weil manche Vorhaben mit hohen sprunghaft steigenden Fixkosten verbunden sind. „Man kann eben kein halbes Labor aufbauen, wenn bestimmte Versuche für eine Weiterentwicklung notwendig sind.“

Schmidts Rat an Mittelständler: „Es kann, auch aus strategischer Sicht, sehr sinnvoll sein, das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln und Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten daran zu beteiligen.“ Das bringe nicht nur frisches Kapital, sondern stärke auch die Bindung an das Unternehmen und das Interesse am Forschungsergebnis. Zudem gibt es die Möglichkeit, Hochschulen etwa im Rahmen von Diplom- oder Doktorarbeiten für sich forschen zu lassen. Wie eine Studie der Commerzbank zum Thema „Innovation als Erfolgsfaktor im Mittelstand“ zeigt, wird dieser Weg aber eher von größeren Firmen genutzt. Kleine und mittlere Unternehmen dagegen, die vermutlich den höheren Grenznutzen hätten, wenden sich kaum an ihr wissenschaftliches Umfeld in Deutschland.

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