Frachtflaute in Deutschland
Speditionsbranche: „Heute billig, morgen tot“

Wenn weniger produziert wird, gibt es auch weniger zu transportieren. Das müssen die deutschen Spediteure zurzeit leidvoll feststellen. Fuhrparks werden abgebaut, Fahrer entlassen. Wie die Krise die Brummi-Branche im Würgegriff hält.

BONN. Für das Brummi-Gewerbe kommt es zur Zeit knüppeldick. Wurde Anfang vergangenen Jahres noch über Kapazitätsengpässe und Fahrermangel diskutiert, wird heute nur noch über Kapazitätsabbau und Insolvenz gesprochen. Die Krise hält die Lkw-Transporteure im Würgegriff. Es gilt die schlichte Erkenntnis: Wo weniger produziert wird, wird weniger transportiert. Doch damit nicht genug. Die Erhöhung der Lkw-Maut und die zum 1. Mai bevorstehende Freigabe der Kabotage für sieben osteuropäische EU-Mitglieder, darunter Polen, sorgen für zusätzlichen Druck auf die Erträge der Brummi-Unternehmen. Der ruinöse Preiskampf ist bereits im vollen Gang. Fuhrparks werden abgebaut und Lkw vorübergehend stillgelegt.

Durch die Freigabe der Kabotage, also die Erlaubnis für ausländische Fuhrunternehmer innerdeutsch Waren zu transportieren, werde sich die Wettbewerbsintensität noch zusätzlich erhöhen, liefert Andreas Marquardt, neuer Präsident des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), sozusagen die amtliche Bestätigung. Das BAG ist dem Bundesverkehrsministerium unterstellt und kontrolliert den Straßengüterverkehr sowie die Lkw-Maut, führt aber auch Marktstudien durch.

Insbesondere wegen der hohen Lohnkostenvorteile weisen osteuropäische Transportunternehmen seit Jahren steigende Anteile im grenzüberschreitenden Straßengüterverkehr auf. Allein die polnischen Lkw haben ihre Verkehrsleistung von 2004 bis 2007 nahezu verdoppelt - ohne Freigabe der Kabotage. "Ich gehe davon aus, dass sich Unternehmen aus den neuen EU-Mitgliedsländern mit Freigabe der Kabotage gerade auch wegen der Krise in zunehmenden Maße um Binnenbeförderungen in Deutschland bemühen werden", sagte Marquardt vor Transportunternehmern auf einem Logistik-Kongress in Bonn. Er erwartet allerdings "keine schwere Störung des gesamten Markts", allenfalls auf Teilmärkten, zum Beispiel im Anschluss an grenzüberschreitende Transporte oder im Hinterland der deutschen Seehäfen sowie im grenznahen Raum zu Polen und Tschechien. Dies dürften insbesondere die Unternehmen zu spüren bekommen, die wenig differenzierte Leistungen anbieten und eine geringe Kundenbindung aufwiesen.

"Logistikdienstleister müssen sich künftig auf einen noch härteren Wettbewerb einstellen", bestätigte Martin Stolle, Logistikberater von Logo-Team. Die Frachtraumkapazitäten würden steigen und die Frachtraten weiter sinken, da die Unternehmen aus den neuen EU-Mitgliedsländern teilweise eine deutlich niedrigere Kostenstruktur hätten. Von diesen Veränderungen profitieren aber die Kunden der Brummi-Unternehmen. Sie würden ihre Logistikkosten künftig spürbar reduzieren.

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