Franchise
Unternehmen von der Stange boomen

Als vor 30 Jahren die Erfolgsgeschichte des Franchisings in Deutschland begann, wurde den Pionieren nur ein Nischendasein vorausgesagt. Inzwischen hat Deutschland europaweit die größte Dichte an Franchise-Unternehmen. Und jedes Jahr eröffnen fast 60000 Ableger von McDonalds, OBI, Fressnapf und anderen Ketten. Doch die Auswahl des passenden Franchise-Konzepts ist schwierig.

KÖLN. Die deutsche Franchise-Wirtschaft boomt: Der Umsatz der Unternehmen stieg im vergangenen Jahr um zehn Prozent von 38 Mrd. auf 41,5 Mrd. Euro. Rund 56 000 Existenzgründer gingen 2007 den Weg in die Franchise-Selbstständigkeit, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Das wirkte sich auch auf den deutschen Arbeitsmarkt aus: Waren im Jahr 2006 noch 429 000 Beschäftigte in Franchise-Unternehmen tätig, zog die Anzahl im Jahr 2007 auf gut 441 000 an. „Die Zahlen belegen einmal mehr, dass Franchising den traditionell wichtigen deutschen Mittelstand stärkt und zugleich als Jobmotor wirkt“ sagt Torben Leif Brodersen, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands (DFV).

Brodersen kennt den Grund für das rasante Wachstum von System-Betrieben: „Die Deutschen sind risikoscheu. Und Franchising reduziert das unternehmerische Risiko deutlich.“ So sind Franchise-Nehmer zwar selbstständig, müssen aber keine eigene Geschäftsidee entwickeln. Sie starten mit dem bewährten Modell des Franchise-Gebers. Der Spielraum für neue Ideen ist allerdings meist begrenzt: Nicht nur Produkte und Geschäftsabläufe sind vorgegeben, sondern auch Details wie Wandfarbe, Regal-Anordnung und häufig sogar der Platz für Aschenbecher.

Dafür profitieren die Gründer von einem klangvollen Namen und werden bei der Vermarktung vom Franchise-Geber unterstützt. Mitbringen müssen sie nur Unternehmergeist und Kapital. Gerade die Finanzierung stellt laut einer Studie von Deutsche Bank Research für Franchise-Nehmer jedoch oft eine große Hürde dar. Denn trotz der steigenden Bedeutung von System-Unternehmen bieten viele Banken bislang noch kaum franchisespezifische Finanzkonzepte an. Franchise-Beraterin Antje Kiewitt weiß, wie schwierig das Gespräch bei der Bank sein kann: „Gründer müssen oft nicht nur das ausgewählte Konzept vorstellen, sondern Franchising an und für sich erklären.“

Ist diese Hürde erst einmal genommen, haben Franchise-Unternehmer gute Aussichten: Nach einer Analyse der Universität Münster scheitern sie in den ersten vier Jahren nach der Existenzgründung seltener als andere Firmengründer, unter anderem weil sie vom Know-How des Franchise-Gebers profitieren. Eine große Portion eigenes Engagement müssen System-Gründer trotzdem mitbringen: „Viele stellen sich den Arbeitsalltag leichter vor, als er ist“, gibt Beraterin Kiewitt zu bedenken.

Umso wichtiger sei es, dass Gründer und Konzept zusammenpassen und der Franchise-Geber seinem Partner nicht nur in der Startphase unter die Arme greift. Ein gutes System erkenne man auch an der Vermarktungsstrategie des Franchise-Gebers: „Systemen, die sich zu früh in kostspieligen nationalen Kampagnen verstricken, geht schnell die Luft aus“, erklärt Jörg Epkenhaus, Chef der Kölner Agentur Fly Communication und Marketing-Experte für Franchise-Betriebe. „Den Erfolg eines Konzepts kann man an seiner Fähigkeit messen, in kurzer Zeit lokale Märkte zu erobern und dort dem Unternehmer zum Erfolg zu verhelfen.“

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