Fremdmanager in Familienunternehmen

Durchsetzungsstark, aber demütig

Gemischte Geschäftsführungen in Familienunternehmen sind ein Balanceakt – und das für beide Seiten. Fallstricke lauern überall, wie eine exklusive Studie zeigt. Anders im Familienunternehmen Werhahn.
Kathrin Dahnke ist Finanzvorstand in einem Familienkonzern. Quelle:
Werhahn

Kathrin Dahnke ist Finanzvorstand in einem Familienkonzern.

DüsseldorfKathrin Dahnke, Finanzvorstand beim Familienkonzern Werhahn ist die „einzige familienfremde Gesellschafterin“, stellt Vorstandsvorsitzende Anton Werhahn fest. An diesem Wochenende feiert er mit seinen rund 400 Gesellschaftern die Gründung des Unternehmens – damals noch als Holzhandlung – vor 175 Jahren in Neuss.

Seit 1979 hat es bei Werhahn immer wieder Fremdgeschäftsführer gegeben, die mit den Geschäftsführern aus der Familie zusammenarbeiten. Eine Erfahrung, die vielen Familienunternehmen noch bevor steht. Denn: Fremdmanagement in den Familienunternehmen wird vom Sonder- zum Normalfall.

Peter Bartels, für Familienunternehmen zuständiger Vorstand beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen PWC hat beobachtet, dass immer mehr „Familienunternehmen sogar die Familiennachfolge ausschließen“, und die jüngere Generation direkt auf Beirats- oder Aufsichtsratsaufgaben vorbereiten: „Immer mehr 30-Jährige gehen direkt in den Beirat.“ Das werde auch als ein Element zunehmender Professionalisierung gesehen. Familienunternehmen werden somit „ein Stück weit mehr wie andere Unternehmen“, sagt Bartels.

Welche Familien in Deutschland die Macht haben
Rang 20: Liebherr International
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Branche: Nutzfahrzeuge

Umsatz 2015: 9,2 Milliarden Euro

Beschäftigte 2015: 41.500

Über die Dachgesellschaft kontrolliert die Familie Liebherr das Firmenimperium, das unter anderem Baufahrzeuge, Kräne, Verkehrstechnik, Hausgeräte und Hotels umfasst.

Quelle: FAZ, Unternehmen

Rang 19: Maxingvest
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Branche: Nahrung und Genuss

Umsatz 2015: 10,1 Milliarden Euro

Beschäftigte 2015: 30.000

Unter dem Dach der Maxingvest sind der Kaffeehändler Tchibo und der Nivea-Hersteller Beiersdorf vereint. Kontrolliert wird die Holding von der Hamburger Unternehmerfamilie Herz.

Rang 18: Würth
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Branche: Befestigungstechnik
Umsatz 2015: 11,0 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 69.000

Als Schraubenkonzern ist Würth vielen bekannt. Dabei hat sich der Konzern unter Reinhold Würth, Sohn des Firmengründers Adolf Würth, zu einem weltweiten Großhandel mit Befestigungs- und Montagetechnik entwickelt. Sitz des Unternehmens ist Künzelsau bei Stuttgart.

Rang 17: Marquard & Bahls
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Branche: Mineralölhandel
Umsatz 2015: 11,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 8.700

Zu den Geschäftsbereichen des Konzerns gehören der Mineralölhandel, die Flugzeugbetankung – aber auch die erneuerbaren Energien. Sitz des Familienunternehmens ist in Hamburg.

Rang 16: Mahle
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Branche: Autozulieferer

Umsatz: 11,5 Milliarden Euro

Beschäftigte: 75.600

Der Autozulieferer aus Stuttgart blickt auf eine fast 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück und zählt heute zu den größten Firmen der Branche. Der Konzern ist zu 99,9 Prozent im Besitz der Mahle-Familienstiftung.

Rang 15: Otto
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Branche: Handel
Umsatz 2015: 12,1 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 49.600

Hinter Amazon ist Otto einer der größten Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass die diversen Web-Shops in den vergangenen Jahr stark gewachsen sind.

Rang 14: Oetker-Gruppe
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Branche: Mischkonzern
Umsatz 2015: 12,2 Milliarden Euro
Beschäftigte 2015: 30.800

Zur Oetker-Gruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker ist unter anderem in den Bereichen Lebensmittel (Dr. Oetker GmbH), Bier (Radeberger), Sekt und Wein (Henkell), Schifffahrt (Hamburg Süd) und dem Bankwesen (Bankhaus Lampe) tätig.

Das heißt: „Die fachliche Expertise wird bei den Fremdmanagern gesucht, während die internen Nachfolger eher für die soziale Kompetenz und das unternehmerisches Agieren stehen sollen.“ Das belegt auch eine aktuelle Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen, der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC und der Intes Akademie für Familienunternehmen. Die Forscher befragten 163 Familienunternehmen nach ihren Erfahrungen mit gemischten Geschäftsführungsteams.

Doch die Funktion des Fremdmanagers in Familienunternehmen ist kein leichtes Geschäft, die Anforderungen widersprechen sich zum Teil. Im Job soll er durchsetzungsstark sein, aber „demütig und zurückgenommen“ im Umgang mit der Familie, weiß Bartels. Natürlich ist die Zusammenarbeit in gemischten Teams nicht konfliktfrei: 54 Prozent der Familienunternehmen geben an, dass die Persönlichkeiten "häufiger" oder "gelegentlich" aufeinanderprallen. Marcel Hülsbeck, Professor für Personal und Organisation, insbesondere für Familienunternehmen am Wifu hat aber festgestellt, dass die Konflikte durchaus konstruktiv sind. Starke Persönlichkeiten seien da gefragt - "sowohl auf der Seite der Familie als auch bei den Fremdmanagern".

"Ein echtes Streitthema" ist, dass Fremdmanager wenig Aussicht haben, einmal Anteile vom Unternehmen zu erhalten, erklärt Bartels. „Auch ein halbes Prozent wird in der Regel abgelehnt.“ Der Grund: Die Komplexität mit vielen Gesellschaftern aus der Familie sei ohnehin schon hoch, das wollen die Unternehmerfamilien nicht noch potenzieren. „Das gleicht man durch virtuelle Beteiligungsmodelle aus“ erklärt Bartels. Auch Kathrin Dahnke ist Gesellschafterin ohne finanzielle Einlage, wie Anton Werhahn versichert. Das heißt, sie wird so behandelt als sei sie Gesellschafterin, so lange sie für das Unternehmen arbeitet.

Diesen Investoren gehört der deutsche Mittelstand
Platz 10: JP Morgan Asset Management
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Mary Callahan Erdoes, CEO der JP Morgan Privatbank. 2015 hatte das JP Morgan Asset Management insgesamt rund 1,7 Milliarden Euro in den börsennotierten Mittelstand investiert. Im Jahr davor waren es nur 846,5 Millionen Euro.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der cometis AG, einer Beratungsgesellschaft für strategische Finanz- und Unternehmenskommunikation und dem Investor- Relations-Datenbankanbieter Ipreo. Dabei wurde ausgewertet, welche Investoren gemessen an der Summe ihrer Investments die größten Beteiligungen im börsennotierten deutschen Mittelstand halten.

Quelle: cometis

Platz 9: Oppenheimer Funds
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Die US-amerikanische Investmentgesellschaft Oppenheimer Funds belegt Platz neun unter den größten Investoren in MDax, SDax und TecDax. 2015 hielten sie Beteiligungen im Wert von insgesamt 1,66 Milliarden Euro. Das waren 300 Millionen Euro mehr als noch ein Jahr zuvor. Hoch im Kurs steht bei den Amerikanern der Medienkonzern ProSiebenSat.1.

Platz 8: MFS International
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Auf Platz acht der größten Investoren schafft es MFS International mit Beteiligungen in Höhe von 1,73 Milliarden Euro. Seine größten Beteiligungen hält die in Großbritannien registrierte Gesellschaft an dem Industrieunternehmen Gea, dem Chemiekonzern Brenntag und LEG Immobilien.

Platz 7: Elliott Management Corporation
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Paul Singer, Gründer und CEO der Elliott Management Corporation. Der Hedgefonds hat 18,8 Prozent seines Portfolios im deutschen Mittelstand investiert. 2015 waren es rund 1,79 Milliarden Euro. Die zwei Unternehmen, an denen sich der Investor am stärksten beteiligt hat, sind Kabel Deutschland und der Maschinenbauer DMG Mori Seiki.

Platz 6: MFS Investment Management
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Mit Investments in Höhe von 1,97 Milliarden Euro schafft es MFS Investment Management auf Platz sechs der größten Investoren im börsennotierten deutschen Mittelstand. Seine größte Beteiligung halten die US-Amerikaner in der Symrise AG, die Duft-, Geschmacks- und Wirkstoffe für Kosmetika und Lebensmittel herstellt.

Platz 5: Capital Research Global Investors
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Die Capital Research Global Investors gehören zu den Top-Fünf der größten Investoren in MDax, SDax und TecDax. Die Amerikaner haben 2,01 Milliarden Euro in Unternehmen der Indizes angelegt. Zu den deutschen Unternehmen, an denen sie am stärksten beteiligt sind, gehört neben ProSiebenSat.1 und Freenet auch Hugo Boss.

Platz 4: Capital World Investors
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Mit Capital World Investors gehört die zweite Tochtergesellschaft des US-Riesen „The Capital Group“ zu den größten Investoren im deutschen börsennotierten Mittelstand. Capital World Investors bringt es auf Beteiligungen in Höhe von 2,61 Milliarden Euro. Das ist jedoch deutlich weniger als noch 2014, als die Summe 3,28 Milliarden Euro betrug. Besonders beliebt bei den Amerikanern ist beispielsweise der Münchner Triebwerkhersteller MTU Aero.

Und bei Werhahn hat die Familie offenbar noch einen weiteren Streitpunkt vermieden. Denn mit der Anzahl der Familienmitglieder in der Geschäftsführung, so zeigt ein Ergebnis der Studie, steigt auch das Streitpotenzial. Mit dem Nebeneffekt, dass der Fremdgeschäftsführer dann die Rolle des Schlichters einnimmt. Bei Werhahn ist der Vorstand mit den beiden Vorständen Anton Werhahn und Kathrin Dahnke dagegen kleinstmöglich.

Doch woran scheitern Fremdmanager häufig? Sie fühlen sich ein wenig auf verlorenem Posten. Auf Seminaren zu Familienunternehmen werden zwar regelmäßig Kreisdiagramme gezeigt, auf denen jeweils ein Kreis für die Familie und für das Unternehmen abgebildet sind. Aber die Realität sieht anders aus. Denn der Fremdmanager hat keine eigene Community, erklärt Bartels. „Sie haben kein Plenum und werden bei den Familienkongressen häufig auch draußen gehalten.“ Im Fall von Kathrin Dahnke ist das anders. Sie steht bei Werhahn nicht nur als Vorstandsmitglied Rede und Antwort – sie ist auch Gesellschafterin.

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