Freundschaftsgesten zwischen den Regierungschefs
Japans Firmen wittern neue Chancen in China

Japans Wirtschaft erwartet noch bessere Geschäfte im Reich der Mitte, nachdem Chinas Premier Wen Jiabao auf seiner Japanreise intensiv um Freundschaft geworben hat. Jetzt müssen noch Handelshemnisse abgebaut werden, dann kann die gute Stimmung auf den Außenhandel überspringen.

TOKIO. Vor einigen Jahren sei eine solche Verbesserung des Verhältnisses zwischen den beiden Ländern noch undenkbar gewesen, sagte Fumiaki Watari, Vorstandsvorsitzender des größten Ölimporteurs Nippon Oil und Funktionär im Industrieverband Keidanren. Im Sinne der Geschäftsbeziehungen hofft er, dass die Verbesserung des Klimas zwischen den Ländern nachhaltig ist. Auch Toru Nomura, Vorstandsmitglied des Handelskonzerns Itochu, zeigte sich zufrieden über die erweiterte politische Zusammenarbeit der Nachbarländer. Chancen für die Unternehmen eröffneten sich nur, wenn auch die Stimmung gut sei, so Nomura. Die Firmenchefs äußerten sich auf einem chinesisch-japanischen Wirtschaftstreffen.

Die Vorbehalte der Chinesen gegenüber Japan gehen auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Unter dem populären japanischen Premier Junichiro Koizumi erhielten sie neue Nahrung. Der Politiker mit der Löwenmähne besuchte wiederholt ein Heiligtum, in dem auch Kriegsverbrecher geehrt werden. Sein Nachfolger Shinzo Abe verzichtet dagegen seit Amtsantritt im September auf Besuche des Yasukuni-Schreins und hinterließ bei einer China-Reise im Oktober einen guten Eindruck.

Wen wiederum brachte Ende vergangener Woche beim Gegenbesuch in Tokio das Eis endgültig zum Schmelzen: In einer Rede im Parlament – der ersten eines chinesischen Politikers seit 22 Jahren – akzeptierte er erstmals teilweise eine Entschuldigung der Japaner für ihre Kriegsverbrechen. Beim morgendlichen Joggen plauderte er medienwirksam mit erstaunten Japanern, die im Park Gymnastik machten. Am Freitag tourte er durch die alte Kaiserstadt Kioto und spielte Baseball mit Studenten. Abe und Wen versprachen weitere Treffen und kündigten einen Besuch von Chinas Staatschef Hu Jintao in Japan an.

„Schlechte Beziehungen zwischen den Regierungen führen auch zu Misstrauen in der Bevölkerung“, erklärt Kiyoshi Takai von der Hokkaido-Universität den Zusammenhang zwischen dem Händeschütteln auf höchster Ebene und dem Optimismus der Wirtschaft. Selbst wenn die Differenzen gar nicht so groß seien, nehme die Öffentlichkeit schnell eine harte Konfrontation wahr. Vertreter der Energiewirtschaft beider Länder unterzeichneten Kooperationsabkommen, die zwar wenig direkten Wert haben, aber einen Rahmen für konkrete Zusammenarbeit bieten könnten. Der Vizepräsident des Elektrokonzerns Hitachi sagte, die Führungspersönlichkeiten beider Länder müssten sich öfter treffen, um das gute Klima zu erhalten. Masahiro Tanizeki, Top-Manager im Handelshaus Toyota Tsusho, begrüßte den Schub an Aufmerksamkeit für japanische Umwelttechnik. Der Export der Produkte könne sowohl Japan als auch China nutzen.

Doch die Japaner kritisieren auch, dass China seinen Markt noch durch Handelsbarrieren abschließe. In einer Umfrage der Japan Trade Organization meinen knapp 60 Prozent der Unternehmen, dass China seine Justiz in Ordnung bringen müsse. Auch der Hinweis auf mangelnden Schutz geistigen Eigentums fehlt nicht.

In der Frage der Nutzung von umstrittenen Gasfeldern im ostchinesischen Meer einigten sich die Staatsmänner lediglich darauf, weiter an einer Übereinkunft zu arbeiten.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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