Frühwarnsystem
Hightech-Alarm vor hohen Wellen

Deutsches Tsunami-Frühwarnsystem erkennt Flutwellen schon im Ozean. Kleine Unternehmen liefern viele Bauteile zu.

HB KÖLN. Sie sind fest verankert am Boden des Ozeans und schwimmen zweihundert Kilometer vor der indonesischen Küste. Genau da, wo sich die australische Platte unter die eurasische schiebt und die Gefahr vor Tsunamis besonders erhöht. Die zwei gelben Messbojen sind ausgestattet mit satellitengesteuerten GPS-Sendern und messen Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit sowie Wellenhöhe.

Die Schwimmkörper sind Bausteine eines ausgeklügelten Tsunami-Frühwarnsystems, für das die deutsche Regierung nach der verheerenden Flutkatastrophe im Indischen Ozean 45 Millionen Euro bereit stellte. Das Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) koordiniert das hochtechnologische Projekt. „Wir sind noch in der Testphase“, sagt Projektleiter Jörn Lauterjung. Aber Ende 2008 soll das System als Teil der Tsunami-Hilfe an die indonesische Regierung übergeben werden.

Die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans wurden durch die Flutkatastrophe am 26. Dezember 2004 aufgeschreckt. Denn ein verlässliches Frühwarnsystem gab es bisher nur im Pazifik. Sri Lanka, Malaysia und Madagaskar haben daher bereits ebenso Interesse am deutschen Tsunami-Frühwarnsystem bekundet. „Konkrete Gespräche bestehen zudem mit der australischen Regierung“, so Lauterjung: „Ich kann mir gut vorstellen, dass kleine Unternehmen, die einzelne Teile liefern, dann mit uns zum Zuge kommen.“

Im Labor in Potsdam entwickelten Wissenschaftler des GFZ die ersten dreieinhalb Tonnen schweren Messbojen. Im Novembervergangenen Jahres setzte das deutsche Forschungsschiff „Sonne“ sie vor Sumatra und Java aus. „Ich gehe davon aus, dass wir den Bau weiterer Bojen in Auftrag geben, sobald wir die Testergebnisse ausgewertet haben und das System rund läuft“, sagt Lauterjung.

Ein enorm wichtiger Baustein des Tsunami-Frühwarnsystems, die sogenannte Meeresbodeneinheit (OBU), entstand bereits unter der Federführung der „Send Elektronik Signal GmbH“, eines mittelständischen Unternehmens mit Stammsitz in Hamburg. „Wir messen in über 5 000 Metern Tiefe den Wasserdruck“, erklärt Geschäftsführer Klaus Schleisiek: „Dadurch können wir millimetergenau Wellenbewegungen an der Meeresoberfläche bestimmen.“

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