Fünf Fragen an: Peter May
„Die Zeit des Ignorierens ist vorbei“

Peter May ist Geschäfsführender Gesellschafter der Intes Familienakademie in Bonn. Mit dem Handelsblatt sprach er darüber, warum Mittelständler keiner Publizitätspflicht unterliegen sollten.

Herr May, warum sind Sie gegen eine Publizitätspflicht für den Mittelstand?

Die Publizitätspflicht nach dem deutschen Handelsgesetzbuch war und ist eine Attacke auf den Mittelstand. Die neuen Bestimmungen machen das nur noch schlimmer. Wer nicht am Kapitalmarkt aktiv ist, für den sollte der Grundsatz gelten: Wer nicht veröffentlichen will, muss auch nicht.

Was kritisieren Sie denn an den Regeln zur Veröffentlichungspflicht?

Die Publizitätspflicht ermöglicht es den Wettbewerbern, detaillierte und wettbewerbsrelevante Informationen über ein anderes Unternehmen zu erhalten. Auch erhalten die Kunden künftig eine große Macht. Wer wenige große Kunden hat und wenige Produkte, wird große Nachteile haben.

Aber andere Länder in der Europäischen Union haben doch bereits strengere Publizitätsvorschriften, die die EU nur angeglichen hat.

Unfug bleibt Unfug, egal wo und wer es macht. Deutschland hat einen größeren Mittelstand als andere Staaten. Doch hat der bei uns leider keine Lobby.

Wer sollte eine Pflicht zur Information haben?

Wer sich am Kapitalmarkt bedient, muss im Anleger- aber auch im eigenen Interesse die Öffentlichkeit informieren. Damit sollte es sein Bewenden haben. Banken und Gläubiger haben andere Informationsmöglichkeiten – und nutzen sie: ohne Bilanz gibt es keinen Kredit. Die Öffentlichkeit und die Wettbewerber aber geht es schlicht nichts an, wie hoch der Gewinn eines Unternehmens ist.

Was sollten die Unternehmer Ihrer Meinung nach jetzt tun?

Die Zeit des Ignorierens ist mit der Verschärfung der Bußgelder vorbei. Bisher haben viele Mittelständler nicht veröffentlicht, obwohl sie mussten. Sie haben es drauf ankommen lassen, dass jemand die Offenlegung erzwingt. Das geht künftig nicht mehr. Die Unternehmer müssen sich entscheiden, ob sie eine Vermeidungsstrategie fahren oder ob sie die Publizität aktiv als Marketinginstrument nutzen.

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