Furcht des Mittelstandes
Angst vor dem Kreditverkauf

Beim Thema Kreditverkauf zeigen sich viele Mittelständler äußerst sensibel. Sie sorgen sich um ihre Eigenständigkeit und fordern von Banken mehr Informationen. Doch die Kommunikation zwischen Banken und Kunden ist geprägt von Misstrauen. Verbesserungen erhoffen sich Mittelständler durch das Risikobegrenzungsgesetz.

DÜSSELDORF. In der momentanen Situation wird es für Mittelständler immer schwieriger, einen Kredit zu bekommen. Laut einer europaweiten Umfrage der Siemens-Finanztochter Siemens Financial Services (SFS) spüren 30 Prozent der Unternehmen die gestiegenen Zinskosten seit Ausbruch der Kreditkrise Mitte 2007 - und die Befragung fand noch vor der Lehman-Pleite statt. Doch tatsächlich freuen können sich auch diejenigen nicht, die bereits einen Kredit erhalten haben. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) "Unternehmensfinanzierung 2008" zeigt sich der Mittelstand sehr sensibel beim Thema Kreditverkauf.

Nicht nur, dass sie nun höhere Zinsen zahlen müssen, sie fürchten auch, dass ihre Bank den Kredit veräußert. Und dann könnten plötzlich ganz andere Verhandlungspartner mit am Eigentümer-Tisch sitzen. "Viele Unternehmen lehnen einen Kreditverkauf ab, weil sie sich um ihre Eigenständigkeit sorgen", erklärt Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des BDI-Mittelstandsausschusses. "Diese begründete Angst kann ich verstehen", sagt Saim Roland Erhazar, Senior Manager bei den Wirtschaftsprüfern der RölfsPartner Gruppe.

"Hier haben die Banken eine Bringschuld: Sie müssen erklären, ob und was sich bei der Kreditabtretung für den Kunden faktisch ändert", meint Kirchhoff. Doch die Kommunikation zwischen Banken und Kunden sei derzeit geprägt von Misstrauen. Die Gefahr des Kreditverkaufs soll das so genannte Risikobegrenzungsgesetz bändigen. Demnach erhalten Unternehmen die Möglichkeit, mit ihren Kreditinstituten Darlehensverträge zu schließen und dabei ein Abtretungsverbot zu vereinbaren (§ 354a Abs. 2 HGB). Im Zuge dieser Diskussion hatten verschiedene Banken angekündigt, generell oder gegen einen Zinsaufschlag Kredite anzubieten, bei denen sie sich verpflichten, den Kredit nicht zu verkaufen.

Aber wie hoch wäre dieser Zinsaufschlag? Die Banker sprechen von 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten. Doch Marktbeobachter meinen, dass es durchaus auch ein Prozentpunkt über dem des Kapitalmarktes werden könnte. Für die Banken ist dies sicherlich ein lohnendes Geschäft. Doch für Mittelständler, die gerade jetzt die schwierigen Zeiten spüren, könnte es das Aus bedeuten. Wohl auch daher gehen nun viele Mittelständler lieber zu einer Sparkasse oder Genossenschaftsbank. "Diese sind nun die Geliebten der Zeit und werden gestärkt aus der Krisensituation heraus kommen", meint Erhazar, "denn durch den Zufluss an Kapital verfügen sie über zusätzliche Liquidität, die sie in Form von Krediten weitergeben können." Ob sich diese Bereitschaft auch in den geforderten Zinsen widerspiegelt, hängt laut Ansicht Erhazars vom jeweiligen Fall ab.

"Die Verbesserungen durch das Risikobegrenzungsgesetz haben unsere Mitglieder etwas beruhigt", formuliert Josef Trischler vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Er geht auch davon aus, dass die Mehrheit der Maschinenbauer eher den Kredit ohne Ausschlussvariante wählen. Doch den Maschinenbauern geht es noch verhältnismäßig gut. Laut VDMA-Umfrage vom Juli - also noch vor den Turbulenzen der vergangenen Monate - haben nur ein Prozent der Mitglieder keinen Kredit erhalten. "Im Maschinenbau haben wir noch keine Kreditklemme", sagt Trischler, "daher werden die meisten Unternehmen die Kredite ohne Ausschlussvariante wählen."

Bei anderen Branchen weicht das Bild davon ab: "Mehrere Unternehmen sind mit Problemen auf uns zugekommen", berichtet der Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Stahl- und Metallverarbeitung, Andreas Möhlenkamp. "Immerhin hat die Diskussion um Kreditverkäufe die Unternehmen sensibilisiert, so dass sie nun besser informiert sind - und mit mehr Informationen sinkt auch die Sorge vor dem Kreditverkauf", ergänzt Möhlenkamp. Die meisten Unternehmen wüssten nun bei einer Kreditverhandlung besser Bescheid.

"Allerdings hätten wir uns bei dem Risikobegrenzungsgesetz eine weitergehende Informationspflicht der Banken gewünscht", betont Möhlenkamp. Denn die Banken sind nach wie vor nicht verpflichtet, Unternehmen über die Abtretung von Krediten zu informieren.

Risiko begrenzen

Abtretung: Das Gesetz zur Begrenzung der mit Finanzinvestitionen verbundenen Risiken ist seit vergangenem August deutsches Bundesrecht, Das Gesetz regelt die Gestaltung von Kredit- und Sicherungsverträgen sowie die Abtretung von Kreditforderungen.

Transparenz: Ziel der Regelung ist es, mögliche Übernahmeversuche von Finanzinvestoren den betroffenen Unternehmen gegenüber frühzeitig transparent zu machen. Diskutiert wurde eine Informationspflicht der Bank an den Kreditnehmer vor dem Verkauf eines Kredites. Diese besteht jetzt nicht. Banken bieten jedoch gegen Zinsaufschlag auch Kredite an, die einen Verkauf ausschließen.

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