Fußball-EM
1:0 für Polens Infrastruktur

Polen und die Ukraine möchten die Fußballeuropameisterschaft 2012 als Wirtschaftsmotor in der Krise nutzen. Die EM soll in beiden Ländern ausgetragen werden, deswegen investieren sie in den längst überfälligen Ausbau ihrer Verkehrsinfrastruktur – mit unterschiedlichem Erfolg.

KIEW/KÖLN/WARSCHAU. Während die polnische Regierung trotz Verzögerungen bei den Bauvorhaben optimistisch in die Zukunft blickt, stocken die Vorbereitungen in der Ukraine. Für Polen ist die EM ein wichtiger Ansporn, gerade in Zeiten der Finanzkrise. Zwar will das Land angesichts hoher Einnahmeausfälle seinen Haushalt um umgerechnet knapp 2,3 Milliarden Euro kürzen. Schlüsselprojekte zum Ausbau der Transportwege schiebt die Regierung aber nicht auf die lange Bank. Denn die Infrastruktur konnte schon mit dem Wirtschaftswachstum der letzten Jahre nicht mithalten und entpuppt sich immer mehr als Achillesferse für die weitere Entwicklung des Landes. Alles deutet darauf hin, dass Autobahn- und Schnellstraßenbauer in den nächsten drei Jahren alle Hände voll zu tun bekommen.

Ob es der Ukraine gelingen wird, die für die Bauprojekte benötigten Finanzmittel zu mobilisieren, ist angesichts einer prekären Haushaltslage und Kreditklemme fraglich. Es gibt immer wieder Zweifel, dass die Ukraine die Projekte fristgemäß realisieren wird. UEFA-Präsident Michel Platini versichert zwar regelmäßig, dass die EM 2012 nur von Polen und der Ukraine gemeinsam ausgerichtet werden kann. „Entweder schaffen es beide Ausrichter, oder beide verlieren die EM“, betonte der Fußballfunktionär Ende 2008. Doch plagen die Ukraine nicht nur finanzielle Probleme. Machtkämpfe in der Politik behindern die Verkehrsinfrastrukturprojekte. Dort, wo kein Stillstand herrscht, gibt es nur bescheidene Fortschritte.

Polen befreit sich mit den Vorbereitungen auf die EM 2012 allmählich aus seiner Lethargie. Bislang haben langwierige Ausschreibungsverfahren einen zügigen Ausbau der Infrastruktur verhindert, obwohl bereits seit Polens EU-Beitritt 2004 hohe Fördersummen fließen. Immer wieder gab es Zeitverluste durch Einsprüche und Beschwerden von Unternehmen, die zeitaufwendige Gerichtsverfahren nach sich zogen. Auch Proteste von Anwohnern und Umweltschützern verzögerten viele Projekte.

Umgerechnet rund elf Milliarden Euro will Polen in den nächsten zwei Jahren in den Bau und die Modernisierung von fast 1.000 Kilometern Autobahnen, Schnell- und Umgehungsstraßen investieren. Allein im laufenden Jahr sollen laut Generaldirektion für Landesstraßen und Autobahnen (GDDKiA) 62 Bauvorhaben im Gesamtwert von fast 6,5 Milliarden Euro ausgeschrieben werden. Branchenvertreter sind mit ihren Prognosen etwas vorsichtiger und halten etwas über 4,5 Milliarden Euro für realistisch.

An mehreren Autobahnabschnitten beteiligen sich private Investoren, darunter auch deutsche und österreichische. „Wir haben die wesentlichen Bedingungen für Einzelaufträge so angepasst, dass an den Ausschreibungen mehr Unternehmen teilnehmen können, vor allem kleinere“, sagt Lech Witecki, stellvertretender Geschäftsführer der GDDKiA. Wichtig für die EM-Austragung sind insbesondere Verbindungen zwischen den Spielorten Warschau, Danzig, Poznan, Breslau und den Ersatzspielorten Krakau und Chorzow beziehungsweise im gesamten oberschlesischen Ballungsgebiet sowie von den Stadtzentren zu den Flughäfen.

Seite 1:

1:0 für Polens Infrastruktur

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%