Gabriella Pape: "Ohne Frage meine größte Herausforderung"

Gabriella Pape
"Ohne Frage meine größte Herausforderung"

Es war eine Sensation, als Gabriella Pape mit ihrem Schaugartenentwurf für die Chelsea Flower Show die Silver-Gilt-Medaille gewann - sie hatte damit sozusagen den Garten-Oskar bekommen. Mit dem Erwerb der "Königlichen Gartenakademie" in Berlin will Pape nun der Gartenkultur wieder den Stellenwert geben, den diese in Deutschland einmal hatte.
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Frau Pape, Sie haben die Königliche Gartenakademie wieder zum Leben erweckt. Was hat sie dazu veranlasst?

Schiere Dickköpfigkeit und Eigensinn, nachdem ich all den Zweiflern begegnet bin. Aber natürlich hatte ich ursprünglich tatsächlich ein sehr altruistisches Motiv: mit dem Wissen, das ich mir über viele Jahre angeeignet habe, etwas Bleibendes zu bewegen.

Was bietet diese vom berühmten Gartengestalter Lenné inszenierte Akademie?

Peter Joseph Lenné und ich hatten zwei völlig konträre Aufgabenstellungen für diesen Ort. Peter wollte exzellente Gärtner für seine vielen Kunden und Baustellen und ich brauche gute Kunden, die dann wiederum Ansprüche an ihre Gärtner stellen. Und das beantwortet eigentlich auch die Frage: Was bietet die Akademie? Mitreißenden Gartenenthusiasmus für alle und jeden auf höchstem Niveau.

In England haben Sie Gartenkultur studiert und blieben danach 25 Jahre auf der "Grünen Insel". Warum nun wieder Deutschland?

Weil, wenn man es als Deutsche in England geschafft hat, sich einen Namen in der Gartenwelt zu machen, dann wird aus der Herausforderung Alltag. Also musste ich, um eine neue Herausforderung zu finden, den Alltag ändern und was liegt da näher als in ein Land zu gehen, wo Gärtnern noch eine echte Herausforderung bedeutet.

In Ihrem Buch "Meine Philosophie lebendiger Gärten" folgen Sie dem britischen Spruch "Gardening is the new sex". Was macht den zeitlosen Zauber des erfolgreichen Gärtners aus?

Die Zeitlosigkeit der Gärten.

Sie haben die Vision, wieder Kultur in deutsche Gärten zu bringen. Wie realistisch ist diese Vorstellung?

Diese Frage stelle ich mir auch ab und an, und noch würde ich nicht sagen, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt, aber ich weiß ja auch, dass es sich eventuell nur um eine Kurve im Tunnel handelt und deshalb bin ich ja auch hier. Ich versuche, etwas anzuschieben, fahren muss den Zug dann jemand anders.

Was ist Ihre Stärke?

Mut zum Neuen.

Und verraten Sie mir auch Ihre Schwäche?

Ungeduld, was für einen Gärtner, der ja nun von Berufswegen her geduldig sein muss, äußerst schwer ist.

Wie lautet Ihre Lebensmaxime?

Dringend fast alles selbst auszuprobieren und nicht allzu viel auf Warnungen anderer geben.

Wie definieren Sie Luxus?

Die Frage hätte ich vor drei Jahren, als ich noch in England gelebt habe, nicht beantworten können, aber da wohnte ich ja noch in einem Haus. Nun aber, da ich auf der Etage wohne, sage ich nur: Morgens, an warmen Tagen, barfuss mit dem ersten Kaffee über den eigenen Rasen, ein sonniges Plätzchen suchend, ist der mir nun fehlende Luxus.

Wer gehört zu Ihren Vorbildern?

Das ist eine gute Frage, das schwankt in meinen Gedanken häufig. Während ich starke Frauen sehr beeindruckend finde, gefallen mir jene, die ganz souverän ihren Job gemacht haben, am meisten. Rita Sackville- West könnte so ein Vorbild sein.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Respekt.

Was war für Sie die größte Herausforderung in den vergangenen Jahren?

Das ist keine schwierige Frage, 2007 hätte ich behauptet, die Chelsea Flower Show zu bauen, aber dann kam ja die Herausforderung mit der Gartenakademie, und das war und ist noch immer, ohne Frage, auf allen Ebenen, persönlich, moralisch, gesundheitlich, emotional und letztendlich auch finanziell meine größte Herausforderung.

Ist es möglich, dass Sie sich auch mal dem "Nichtstun" hingeben?

Und wie, ich kann das Nichtstun genau so gut wie das Tun, nur viel kürzer. Ich kann ganze Tage lang in den Schnee starren oder auf Wasser oder in den Himmel, das finde ich himmlisch, aber nur, wenn es auch da ein Ende gibt.

Übrigens: Für welche bekannte Persönlichkeit würden Sie gerne einen Garten anlegen?

Also da fallen mir gleich zwei Persönlichkeiten ein: Sir Simon Rattle, weil ich behaupte, dass eine gute Bepflanzung wie eine harmonisch gespielte Partitur ist und ich mir denke, dass er das zu schätzen wüsste. Und, da Ustinov tot ist, Nelson Mandela, denn ich würde gerne mal einen Garten in einem Land gestalten, das mir eine völlig neue Herausforderung wäre.

Die Fragen stellte Marie-José Kann-Hüting.

Gabriella Pape

Der Weg zur renommierten Gartenarchitektin begann für Gabriella Pape in Norddeutschland mit einer Lehre zur Baumschulgärtnerin. Danach studierte sie Gartenkultur in England.

Dies eher durch Zufall: Eigentlich wollte sie nach München. Durch einen Computerfehler schien es aber so, als gäbe es dort keinen Studienplatz mehr für sie. Das war der Grund dafür, nach Großbritannien zu gehen. 1992 eröffnete Gabriella Pape mit der Gartenhistorikerin Isabelle Van Groeningen auf der Insel das Gartendesignstudio "Land-Art". Es war eine Sensation, als ihr Schaugartenentwurf für die Chelsea Flower Show 2007 mit der Silver-Gilt-Medaille ausgezeichnet wurde. Sie gewann damit sozusagen den Garten-Oskar. Gabriella Pape war die erste Deutsche, die an der erlauchten Veranstaltung teilnehmen durfte. Sogar die königliche Familie - die Queen ebenso wie Prinz Charles - besuchte den Schaugarten.

Mit dem Erwerb der "Königlichen Gartenakademie" in Berlin will die international tätige Gabriella Pape der Gartenkultur wieder den Stellenwert geben, den diese in Deutschland einmal hatte. Sie hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter ist auch "Gartenverführung", erschienen im Callway Verlag.

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