Mittelstand

_

Gastbeitrag: Kreditklemme macht erfinderisch

Derzeit scheitern viele Transaktionen an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten auf Käuferseite. Wer nicht selbst über genug Eigenkapital verfügt, geht leer aus. Das muss nicht sein. Denn es gibt genug Alternativen zur klassischen Bankfinanzierung. Gastautor Michael Sörgel, Rechtsanwalt der internationalen Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper, nennt die Wichtigsten.

von Michael Sörgel
Unternehmen suchen frisches Kapital ohne Bankbeteiligung. Quelle: ap
Unternehmen suchen frisches Kapital ohne Bankbeteiligung. Quelle: ap

KÖLN. Beim Debt to Equity Swap wird der Gläubiger zum Gesellschafter. Die klassische Form des Debt to Equity Swaps ist eine Kapitalherabsetzung bei der Zielgesellschaft, an die sich eine Kapitalerhöhung unter der Einbringung der Gläubigerforderungen als Sacheinlage anschließt. Die bisherigen Gläubiger werden zu Gesellschaftern. Die bisherigen Gesellschafter nehmen eine Verwässerung ihrer Anteile in Kauf oder scheiden ganz aus der Gesellschaft aus. Eine alternative und häufig schneller durchzuführende Variante besteht in der Veräußerung der Anteile der Zielgesellschaft durch die Altgesellschafter mit anschließendem (teilweisen) Forderungsverzicht durch die Gläubiger. Für die Gläubiger besteht der Vorteil einer solchen Transaktion in der möglichen Teilhabe an künftigen Gewinnen der Zielgesellschaft nach erfolgter Restrukturierung, an denen sie als reine Fremdkapitalgeber nicht partizipieren würden.

Anzeige

Bei der zweiten Variante, einem Verkäuferdarlehen - auch Vendor Loan oder Seller?s Note genannt -, wird ein geringer Teil des Kaufpreises in ein Darlehen umgewandelt, das erst zu einem späteren Zeitpunkt an den Verkäufer gezahlt wird. Bis dahin hat der Käufer einen entsprechend geringeren Liquiditäts- und Finanzierungsbedarf, was ihm zusätzlichen Finanzierungsspielraum verschafft. Das Verkäuferdarlehen ist in der Regel unbesichert und nachrangig zu den Forderungen der Banken, welche die Transaktion finanzieren. Es zeichnet sich zudem durch eine recht lange Laufzeit von zehn Jahren oder mehr aus. Das wirtschaftliche Risiko des Verkäufers spiegelt sich häufig in einem erhöhten Zinssatz wider. Die Zinsen werden meistens nicht periodisch gezahlt, sondern zusammen mit dem Darlehen zum Endfälligkeitstermin.

Da der Anteil eines Verkäuferdarlehens im Rahmen der Gesamtfinanzierung in der Regel nicht mehr als zehn bis 20 Prozent des Kaufpreises beträgt, kommt es nur als Ergänzung zur Bankfinanzierung in Betracht. Die Gewährung eines Verkäuferdarlehens wird seitens der finanzierenden Banken auf Grund des gewonnenen Finanzierungsspielraums des Käufers sowie des mit der Darlehensgewährung demonstrierten Vertrauens des Verkäufers meist sehr positiv aufgenommen.

Die dritte Finanzierungsmöglichkeit bilden Earn-Out-Klauseln: Denn in der gegenwärtigen konjunkturellen Lage besteht häufig nur eine eingeschränkte Verkaufsbereitschaft - insbesondere dann, wenn mittelfristig mit einer höheren Unternehmensbewertung und demzufolge mit einem höheren Kaufpreis gerechnet wird. Unterschiedliche Preisvorstellungen zwischen Käufer und Verkäufer können überwunden werden, wenn eine solche Earn-Out-Klausel in den Kaufvertrag aufgenommen wird.

Dabei handelt es sich um eine variable Kaufpreiskomponente, die nach dem Closing in Abhängigkeit von der Erfüllung bestimmter Kriterien - in der Praxis zumeist der Entwicklung von EBITDA oder EBIT - zu zahlen ist. Durch eine Earn-Out-Klausel kann der Verkäufer eventuell einen besseren Kaufpreis erzielen. Der Käufer erreicht eine Stundung bis zur endgültigen Fälligkeit der Kaufpreisraten.

Eine weitere Alternative ist die Rückkehr zum Tauschgeschäft. Die Gegenleistung beim Unternehmenskauf muss nicht immer aus Geld bestehen. Insbesondere in Fällen, in denen Käufer und Verkäufer schon über gemeinsame Beteiligungen verfügen oder in denen jeweils komplementäre Beteiligungen im Konzern existieren, kommt auch ein Anteilstausch, gegebenenfalls zuzüglich einer Ausgleichszahlung, in Betracht.

Michael Sörgel ist Rechtsanwalt und Counsel in der internationalen Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper.

  • Die aktuellen Top-Themen
Familienunternehmer Bauer: „Unser Geschäft zündet ziemlich spät“

„Unser Geschäft zündet ziemlich spät“

Mit einem umstrittenen Strategieschwenk rettete Thomas Bauer einst den Familienkonzern. Er verkaufte die selbst entwickelten Baumaschinen auch an die Konkurrenz. Heute beschränkt er sich aber auf Sparen im Detail.

Kartellverdacht: China ermittelt gegen Microsoft

China ermittelt gegen Microsoft

Microsoft hat Besuch von Chinas Behördenvertretern bekommen. Der Grund: Es gebe kartellrechtliche Ermittlungen gegen Manager des Softwarekonzerns. Die Firma soll keine ausreichenden Informationen gegeben haben.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer