Gebrauchtmaschinenhändler erleben Exportboom
Schnelles Wachstum aus zweiter Hand

Der Gebrauchtmarkt für Werkzeugmaschinen boomt. Bis zu zwei Mrd. Euro – ein Fünftel des gesamten Branchenumsatzes in Deutschland – können Second-Hand-Anbieter nach Branchenschätzungen verbuchen. Offizielle Statistiken für den Sektor fehlen zwar. Aber die meisten Händler profitieren von steigender Nachfrage – vor allem aus dem Ausland.

BERLIN. „Der Export macht mittlerweile sechzig Prozent unseres Umsatzes aus“, sagt Ulrike Wuttke-Fischer von Karl Ruppert Werkzeugmaschinen. Der Gebrauchtgerätehändler aus Biebrich in Rheinland-Pfalz verkauft seit der EU-Osterweiterung überwiegend an die Nachbarn – vorher lag der Anteil nur bei zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent. Besonders Polen, Slowakei und Ungarn fragen regelmäßig nach neuen Angeboten. Denn viele Stammkunden von Ruppert haben die Produktion nach Osteuropa verlagert.

Vor allem der polnische Markt bietet gute Absatzmöglichkeiten für anspruchsvolleres Gerät. Gefragt sind hier bis zu drei Jahre alte Maschinen zur Holz- oder Metallverarbeitung. Daneben gilt auch Ungarn als guter Gebrauchtmaschinenmarkt. Der EU-Beitritt und sinkende Zinsen haben die Nachfrage in Osteuropa zuletzt stark angekurbelt.

Auch im fernen Ausland steigt das Interesse an Gebrauchtmaschinen aus Deutschland: „Indien ist ein neuer Markt, der gerade aufkommt“, so Wuttke-Fischer. Seit vielen Jahren ist das Land bereits ein wichtiger Importeur von Werkzeugmaschinen. Die sprunghafte Wirtschaftsentwicklung der Inder sorgt bei den Gebrauchtmaschinenhändlern nun für zusätzliche Aufträge. Denn wie in Osteuropa muss auch Indien in vielen Industriezweigen erst noch die nötige Infrastruktur aufbauen. Die meisten Unternehmen können sich neue Maschinen dazu nicht leisten.

Ware älterer Bauart hat hier gute Chancen, zumal es Gebrauchtmaschinen abhängig von Zustand und Betriebsstunden in nahezu jeder Preisklasse gibt. Je geringer der Verschleiß, je flexibler das Gerät und je umfangreicher das Zubehör, desto höher ist der Preis. Maschinen, die sich nur schwer umbauen lassen und die beste Zeit hinter sich haben, gelten als besonders günstig.

Auch sie erfüllen freilich bei manchen Kunden noch die nötigen Anforderungen: Häufig dienen sie nur dazu, einen einzigen Auftrag abzuwickeln – danach sind sie im schlechtesten Fall reif für den Schrott. Wenn die Ansprüche an Zulieferer steigen, bleiben Unternehmen mit dieser Strategie aber auf der Strecke. „Mit günstigen Gebrauchtmaschinen kann man allenfalls Aufbau und Wachstum in jungen Industrien beschleunigen. Nach fünf bis sieben Jahren beginnt aber meist ein gnadenloser Selektionsprozess. Dann sind Liefertreue, Verfügbarkeit und Flexibilität gefragt, um die Kunden zu binden“, sagt Gerhard Hein, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Statistik vom Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW): „Das ist mit Gebrauchtmaschinen ohne Service und Dienstleistung nicht zu machen.“

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