Geld für die Wartezeit
Beziehung zu dritt

Aufgrund längerer Zahlungsziele müssen Zulieferer in vielen Fällen auf ihr Geld warten, doch häufig sind ihre Liquiditätsreserven begrenzt. Nun hat der Finanzchef von Knorr-Bremse, Jan Peter Nonnenkamp, zusammen mit der Deutschen Bank ein neues Konzept erstellt: Wie sich Zulieferer mit der guten Bonität ihres Kunden günstig finanzieren können.

DÜSSELDORF. Die Idee kam Jan Peter Nonnenkamp, als er auf Geschäftsreise in den USA war: Dort finanzierten sich angeschlagene Autozulieferer mit den guten Ratings ihrer finanzstarken Kunden. Der Finanzchef von Knorr-Bremse fand das Konzept so bestechend, dass er es nach Deutschland bringen wollte. Zusammen mit der Deutschen Bank tüftelte Knorr-Bremse rund ein Jahr lang an dem System. Seit Oktober testen es vier Pilot-Lieferanten. Jetzt soll es richtig losgehen. 50 Lieferanten sind angeschrieben, ob sie nicht mitmachen wollen.

„Für uns ist das eine traumhafte Sache“, sagt Dirk Schiffner, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Adestis, der das System seit Oktober nutzt. Mit gut sechs Prozent bekomme er über das System einen Zinssatz, den sonst keine Bank dem 18-Mann-Betrieb mit 1,6 Mill. Euro Umsatz gewähren würde.

Nimmt ein Lieferant wie Adestis am neuen Projekt teil, erscheint jedes Mal, wenn er eine Rechnung an Knorr-Bremse schickt, der Forderungsposten in einem speziellen Programm. Möchte er sein Geld vor Ablauf des Zahlungsziels, klickt der Lieferant einfach den Posten an. Die Deutsche Bank kauft Adestis dann quasi die Forderung mit einem Abschlag, der die Abwicklungskosten einschließt, ab. Er wird dem Lieferanten im Programm angezeigt. Knorr-Bremse wiederum verpflichtet sich, den Betrag, wenn die Zahlung fällig ist, direkt an die Deutsche Bank zu zahlen.

So ist das Ganze letztlich ein Kredit der Deutschen Bank an den Knorr-Lieferanten, der von Knorr selbst bedient wird. Deshalb bekommen die mittelständisch geprägten Lieferanten den Kredit zu Konditionen, die auf der Bonitätsnote „BBB+“ von Knorr-Bremse basieren.

Die Abwicklungskosten seien äußerst niedrig, weil der gesamte Prozess automatisiert ablaufe, erläutert Werner Steinmüller, Leiter des globalen Transaction Bankings der Deutschen Bank. Auf der anderen Seite liege der Zins für die meisten Lieferanten besser als das, was sie sonst von der Bank bekämen. Abhängig vom Unterschied des Ratings des Lieferanten und des Kunden könne der Vorteil durchaus einen Prozentpunkt und mehr betragen.

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