Geldhäuser helfen bei der Nachfolge

Mittelstand
Geldhäuser helfen bei der Nachfolge

Vielen mittelständischen Betrieben droht das Aus, wenn sich der Eigentümer aus Altersgründen zurückzieht und kein Kronprinz aus der Familie parat steht und den Laden übernimmt. Doch mitunter weiß die eigene Hausbank Rat.
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HamburgSebastian Vossmann ist seit Anfang Dezember sein eigener Chef. Der 39-Jährige hat die seit über 60 Jahren bestehende Scherenfabrik Paul in Harsefeld, nördlich von Hamburg, übernommen. Bei den Gesprächen mit dem Altbesitzer, der Analyse und Bewertung der Firma sowie bei der Finanzierung des Kaufs hat ihm seine Hausbank geholfen.

Vier Jahre lang hatte Vossmann vergebens nach einem geeigneten Unternehmen gesucht. Nach seinem BWL-Studium hatte er zunächst in einem Pressevertrieb, danach sieben Jahre für eine amerikanische Consultinggesellschaft und dann drei Jahre in der Geschäftsleitung des Luxus-Uhrenherstellers A. Lange & Söhne gearbeitet. Seinen Traum von beruflichen Selbstständigkeit verschob er immer wieder, "weil mir die zündende Geschäftsidee fehlte", wie er konstatiert

Deswegen begann Vossmann nach Betrieben Ausschau zu halten, die einen neuen Inhaber suchen. Er recherchierte in Firmenbörsen wie „Change“ – einer Plattform, die von den Volks- und Raiffeisenbanken und den IHKs geführt wird – und er sprach immer wieder mit Harald Degener, seinem langjährigen Berater in der Kreissparkasse Stade. Zusammen nahmen sie monatelang mehrere in Frage kommende Unternehmen unter die Lupe. „Mal war die Firma nicht gesund, mal waren die Branchenaussichten schlecht, mal war der Kaufpreis zu hoch“, erinnert sich der Banker.

Dann stellte die Zentrale der Kreissparkasse Kontakt zu einem Unternehmen her, bei dem vieles stimmte: Scheren Paul, wie der 60-Mitarbeiter-Familienbetrieb in der Branche genannt wird, ist der Qualitätsführer unter Deutschlands Scherenherstellern. Max-Peter Huthmann, Besitzer der Scheren-Manufaktur, war – wie Vossmann – Kunde der Stader Sparkasse. „Ein Glücksfall“, sagt Degener heute.

Man setzte sich zusammen. Die Zahlen des Betriebes, die Vermögensverhältnisse von Käufer und Verkäufer und deren Unternehmer-Philosophie waren dem Geldinstitut bekannt. „Eine Stärke des Betriebs war immer die Produktion in Deutschland und die enge Bindung der Belegschaft ans Haus“, weiß Degener. Vossmann will daran nichts ändern. Das wiederum war Huthmann wichtig. „Deswegen konnten wir beiden Kunden zu dem Deal raten“, erklärt Degener.

Huthmann und Vossmann einigten sich. Das Institut finanzierte dem Käufer die Übernahme der Maschinen und die Immobilie voll: „Dass ich persönlich bekannt war, hat sicherlich sehr geholfen.“

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