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Gemeinschaftsprojekte: Mission Nepal – Entwicklungshilfe als Chance

Nepal ist sicherlich nicht der leichteste Markt für mittelständische Unternehmen. Dass ein kleiner Betrieb aus Hessen dort Fuß fassen konnte, liegt an einem Gemeinschaftsprojekt mit der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Und solche Partnerschaften sollen Schule machen. Ein Blick in die Praxis.

Drogen-Ambulanz in Kathmandu: Dank deutscher Technologie erhalten Abhängige vollautomatisch die richtige Dosis Methadon. Quelle: Pressebild
Drogen-Ambulanz in Kathmandu: Dank deutscher Technologie erhalten Abhängige vollautomatisch die richtige Dosis Methadon. Quelle: Pressebild

KATHMANDU. Die Patienten kommen zu Fuß oder mit dem Bus, einige knattern mit ihren Motorrädern in den staubigen Innenhof und setzen den Helm nicht ab, wenn sie das weiß getünchte Gebäude betreten. Sie wollen nicht erkannt werden. Denn hier, in der Drogen-Ambulanz der Universitätsklinik in Nepals Hauptstadt Kathmandu, holen sich Junkies den Stoff, der ihre Sucht erträglich macht und sie in die Gesellschaft zurückholt: Methadon. 250 Drogenabhängige gehen Tag für Tag zu dem kleinen Schalter der Ambulanz. Die Angestellte im weißen Kittel tippt die Codenummer jedes Einzelnen in den Computer und schon saugt ein unscheinbarer Apparat die richtige Dosis Methadon aus einer Plastikflasche und füllt sie in einen Trinkbecher.

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Entwickelt hat das Gerät und die dazugehörige Dosierungs- und Dokumentatiossoftware die deutsche Firma CompWare Medical. Dass der 30-Mann-Betrieb aus dem hessischen Gernsheim in Nepal Fuß fassen konnte, verdankt er einem Gemeinschaftsprojekt mit der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Die Kooperation ist eine von mehr als 3000 öffentlich-privaten Partnerschaften (Private-Public-Partnerships, PPP), die sich in den zurückliegenden zehn Jahren zu einem erfolgreichen Modell der deutschen Entwicklungszusammenarbeit entwickelt haben. Einem Modell mit Zukunft: Denn die schwarz-gelbe Bundesregierung will Privatunternehmen künftig noch stärker in die Entwicklungspolitik einbinden und so auch die Außenwirtschaft stärken.

Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hat deshalb die Mittel für die Partnerschaften gerade von 48 auf 60 Mio. Euro erhöht. Tatsächlich steht aber mehr Geld zur Verfügung, weil die beteiligten Unternehmen mindestens die Hälfte der Kosten eines Projekts tragen.

Im Idealfall profitieren alle drei Seiten von der Zusammenarbeit: Das Entwicklungsland bekommt kompetente Hilfe. Der deutsche Staat spart Steuergelder und kann auf das Know-how der Wirtschaft zurückgreifen. Und die Firmen verdienen an Folgeaufträgen oder erschließen sich neue Märkte. Gerade für Mittelständler kann das eine sehr interessante Option sein. Die GTZ, der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) und die von den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft getragene Entwicklungsorganisation Sequa schreiben im Internet unter www.developpp.de regelmäßig Ideenwettbewerbe für interessierte Unternehmen aus oder gehen selbst auf Firmen zu.

Das Methadon-Projekt in Nepal zeigt beispielhaft, wie die Kooperation allen Beteiligten dient. Der zehnjährige Bürgerkrieg, die verbreitete Armut und die Lage Nepals zwischen den Opium-Anbaugebieten Asiens haben viele Menschen zur Flucht in die Droge getrieben. 15 000 Süchtige gibt es allein im Tal von Kathmandu, rund 70 000 sind es nach offiziellen Angaben im ganzen Land mit seinen rund 29 Millionen Einwohnern. Von jenen Abhängigen, die an der Nadel hängen, ist jeder dritte HIV-positiv. Um den Süchtigen zu helfen und die Verbreitung von Aids zu stoppen, startete die Regierung schon Mitte der 1990er-Jahre ein Methadon-Programm, das aber stets unter Geldmangel litt und dann 2002 während des Bürgerkriegs unterbrochen wurde.

Seit März 2009 arbeitet die Drogenambulanz in Kathmandu mit dem System von CompWare Medical. Das kommt ohne viel medizinisches Fachpersonal aus - ein großer Vorteil in Nepals unterentwickeltem Gesundheitssektor. Deutsche Entwicklungsexperten helfen darüber hinaus bei der Schulung von medizinischen Fachkräften oder beraten die Regierung bei der Finanzierung von Substitutionsprogrammen. Und den Abhängigen wird der Weg zurück in ein geregeltes Leben geebnet: "Methadon gibt illegalen Straßenjunkies die Chance, in den Status eines Patienten zu wechseln", erklärt Hans-Günter Meyer-Thompson, der das Drogenprojekt in Nepal als Arzt begleitet. Fast jeder Dritte der "Klienten", die täglich in die Ambulanz in Kathmandu kommen, hat einen regulären Job.

Für CompWare Medical ist das Gemeinschaftsprojekt der Einstieg in den asiatischen Markt. Seit 1986 bietet die hessische Firma IT-Lösungen für die Medizin an und hat ihr Methadon-Dokumentations- und Dosiersystem Medosys inzwischen erfolgreich in Deutschland, Österreich, Spanien und Bosnien eingeführt. Auf Kongressen wurden auch asiatische Kunden auf das System aufmerksam, aber CompWare-Geschäftsführer Gerd Meyer-Philippi bekam stets nur zu hören: "Deutsche Technologie ist toll, aber zeigt uns doch erstmal, dass sie auch in Asien funktioniert." So kam das Angebot der deutschen Entwicklungshelfer, gemeinsam ein Methadon-Programm für Indien, Nepal und Malaysia aufzubauen, gerade recht. Während es in Indien bisher nur die Zulassung für einen Modellversuch gibt, sind in Nepal und Malaysia die ersten Ambulanzen eingerichtet.

Rund 500 000 Euro hat CompWare Medical bisher in die öffentliche-private Partnerschaft investiert - nicht wenig für ein Unternehmen mit gut zwei Millionen Euro Jahresumsatz. Außerdem kann die Firma in Asien nicht die 24 000 Euro verlangen, die eine MeDoSys-Anlage in Deutschland kostet: "Sie müssen beim Preis schon 30, eher 40 Prozent Abschlag einkalkulieren", sagt Meyer-Philippi. Aber er sei sehr zuversichtlich, dass sich das irgendwann amortisiert. Das PPP-Projekt hat sich für CompWare ausgezahlt: "Wenn Sie als 30-Mann-Betrieb in einen Markt gehen wollen, der so heikel ist wie die Drogenmedizin, dann können sie das alleine nicht stemmen", sagt Meyer-Philippi. Inzwischen hat sein Unternehmen Anfragen etwa aus Indonesien, Thailand oder Tadschikistan erhalten, auch Verträge mit der Uno sind geschlossen.

So wie CompWare Medical in Asien Fuß gefasst hat, testet der Bad- und Sanitärspezialist Hansgrohe AG im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft den arabischen Markt. 2007 kam die Anfrage von der GTZ, ob die Hansgrohe-Tochter Pontos GmbH nicht eine Duschwasserrecycling-Anlage für das jordanische Dead Sea Spa Hotel am Toten Meer liefern könne. Pontos-Geschäftsführer Otto Schinle war zunächst skeptisch, nach einem Besuch in Jordanien aber schnell überzeugt. "Jeder Tropfen Trinkwasser, der in dem Hotel verbraucht wird, wird per Tankwagen angeliefert", erinnert sich der Manager. Wenn nur ein Teil des Duschwassers recycelt und für die Toilettenspülung genutzt werden könnte, ließen sich enorme Wassermengen sparen.

Da Jordanien zu den zehn wasserärmsten Ländern der Welt gehört, hatte auch die Regierung des Landes Interesse an der Technik. Damals lebten in Amman viele Flüchtlinge aus dem Irak, die ohnehin angespannte Wasserversorgung im Land gelangte an ihre Grenzen. Pontos investierte einen sechsstelligen Betrag und installierte seine Anlage im Dead Sea Spa Hotel, das auch von vielen deutschen Kurgästen besucht wird. Die Firma schulte zudem das Hotelpersonal und einen Mitarbeiter des Facility Managements und suchte sich einen lokalen Partner für die Wartung, denn Ende dieses Jahres läuft das Projekt aus. Zur Sicherheit lässt sich die Anlage aber auch von der Pontos-Zentrale Offenburg aus direkt per Fernwirktechnik überwachen. "Wie sich gezeigt hat, ist das leider bislang auch nötig", räumt Schinle ein.

Doch mit der Pilotanlage ist es nicht getan, Pontos und die deutschen Entwicklungshelfer setzen auf Breitenwirkung: "Wir wollten das Bewusstsein für Grauwasserrecycling zumindest in der Ingenieurswelt in Amman verankern", sagt Schinle. Seine Firma hat deshalb ein Hochschulcurriculum für Grauwasserrecycling entwickelt, das bald Eingang in den Lehrplan an der Universität Amman finden wird. Ganz uneigennützig agiert der badische Mittelständler in Jordanien aber nicht: "Wir sind keine Prediger in der Wüste, sondern wollen am Ende auch Produkte verkaufen", sagt Schinle.

Dank des Entwicklungsprojekts hat Pontos heute etwa direkte Kontakte zum jordanischen Wasserministerium. Und inzwischen kommen Anfragen zum Duschwasserrecycling auch aus dem Libanon oder dem Irak. Flüchtlinge, die in ihre Heimat zurückkehrten, warben für die deutsche Technologie und auch in Jordanien konnten bereits Folgeprojekte realisiert werden.

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  • 22.09.2010, 15:49 UhrAnonymer Benutzer: Thomas Bittner

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    eine kurze Anmerkung (Korrektur) zu diesem Artikel:

    Durchführungsorganisation im Rahmen von develoPPP.de ist neben der GTZ und sequa die Deutsche investitions- und Enwicklungsgesellschaft (DEG)(http://www.deginvest.de/DE_Home/Leistungsangebot/Foerderprogramme/PPP-Programm_neu/index.jsp) nicht der DED.

    Mit freundlichem Gruß

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