Genaue Risikoanalyse nötig
Übernahmewelle erreicht Mittelstand

Für Banken und Finanzinvestoren spielt der Markt für Fusionen und Übernahmen im Mittelstand eine immer wichtigere Rolle. Der Anlass für solche Transaktionen ist häufig der Kampf um Marktanteile. Private-Equity-Investoren stehen Käufern auch beratend zur Seite.

FRANKFURT. Beispiele liefern die Automobilzulieferer, die vielfach nur durch die Übernahme von Wettbewerbern wachsen können. Längst stehen die deutschen Mittelständler aber nicht nur in ihrer Heimat im Wettbewerb. Auch im Ausland, vor allem in Asien, sind Übernahmen nicht zuletzt wegen rechtlicher Hürden oft die einzige Möglichkeit für den Markteintritt.

Mittelständler, die eine Übernahme eines anderen Unternehmens planen, sollten sich drei Fragen stellen: Bietet das Zielunternehmen wirklich das, was ich brauche, oder nehme ich nur eine günstige Gelegenheit wahr? Ist das Management in der Lage, die Übernahme allein zu bewältigen? Wird sich das übernommene Unternehmen nahtlos in meine Firmenphilosophie einfügen? Die Fragen deuten auf die Risiken hin, die sich durch Akquisitionen ergeben können. Läuft die Übernahme schief, steht besonders im Falle von Familienunternehmen nicht selten auch das persönliche Vermögen auf dem Spiel. Das Ergebnis dieser Abwägungen sollte ausschlaggebend für die Wahl der Finanzierung der Übernahme sein. Hier haben übernahmehungrige Mittelständler die Wahl: etwa Bankenkredite, Mezzanine oder Private Equity.

Die Eigenkapitalbasis des deutschen Mittelstands ist meist dünn. Fremdkapitalfinanzierte Übernahmen belasten hier noch mehr und hemmen das Wachstum, wenn später zusätzliches Kapital für weitere Schritte nötig ist. Private-Equity-Investoren bieten hier den klaren Vorteil einer eigenkapitalfinanzierten Übernahme. Doch nicht nur das, sie sind zudem international vernetzt, kennen sich im jeweiligen Industriesektor sehr gut aus und haben weit reichende Erfahrungen mit Unternehmensübernahmen. Sie stehen Mittelständlern auch beratend zur Seite und nutzen bei Übernahmen im Ausland ihre lokalen Netzwerke. Ein Engagement von Private-Equity-Investoren setzt allerdings auch die Transparenz der Unternehmensdaten gegenüber den Investoren voraus.

Zudem beanspruchen Private-Equity-Investoren auch bei Minderheitsbeteiligungen ein Mitspracherecht bei wichtigen Geschäftsentscheidungen, auch wenn die grundsätzliche Kontrolle beim Unternehmer verbleibt. Die neue Generation von Mittelständlern hat aber mit Transparenzanforderungen oder einer partnerschaftlichen Beteiligung eines Finanzinvestors meist keine Schwierigkeiten. Ein hohes Maß an Professionalität und Konsequenz in der Umsetzung von Wachstumsstrategien zeichnet heutige Mittelständler aus, die den mutigen Schritt einer Übernahme gehen.

Andreas Kochhäuser ist Leiter des Bereiches Growth Capital bei 3i Deutschland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%