Generation Y im Interview
„Meine Generation schaut schon sehr darauf, nicht benachteiligt zu werden“

Industriedesignerin Laura Anderson erklärt im Interview, warum sie als Berufseinsteigerin ein mittelständisches Unternehmen als Arbeitgeber gewählt hat – und warum ihr sowohl Familie als auch Karriere wichtig sind.

StuttgartLaura Anderson ist 30 Jahre alt, hat einen Master in Brandmanagement absolviert. Derzeit baut sie beim Pharmaunternehmen Syntrion die neue Naturkosmetikmarke „Hauttatsachen“ auf.

Wonach suchen Sie ein Unternehmen aus, bei dem Sie arbeiten wollen?
Ich arbeite lieber in mittelständischen Unternehmen als in Großkonzernen, weil man in kleineren Firmen schneller Verantwortung übernehmen, und auch eher interdisziplinär arbeiten kann.

Was ist anders in Unternehmen, wenn es bereits Frauen in Führungspositionen gibt?
Das ist immer ein gutes Zeichen. Ich erinnere mich an mein Vorstellungsgespräch, bei dem beide Geschäftsführer dabei waren – ein Mann und eine Frau.

Und fanden Sie das gut?
Ja, weil zum Beispiel das Thema Familienplanung von der Geschäftsführerin, die selber Kinder hat, direkt vorgelebt wurde.

Und was ist dabei das wichtigste?
Dass man beim Wiedereinstieg möglichst wenige Nachteile hat. Alles soll klar geregelt sein. Und auch Flexibilität sollte möglich sein.

Aber die Personalchefs von Großunternehmen versuchen sich doch mit Förderprogrammen, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft, gegenseitig zu überbieten.
Die Realität sieht anders aus. Besonders dann, wenn ich mir die Erzählungen meiner Freunde, die in Großkonzernen arbeite, anhöre.

Und was sagen die?
Sie schieben sehr viele Überstunden vor sich her. Da bleibt für die „Work-Life-Balance“ wenig Zeit übrig. Und die ist mir wichtig. Ich kann viel arbeiten, aber ich will auch einen Ausgleich dafür. Arbeit ist zwar sehr wichtig, aber nicht alles, und auch nicht allein sinnstiftend. Ich möchte mir auch eine Weile freinehmen können, um etwa ein Umweltprojekt im Ausland zu betreuen.

Und bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber ist das problemlos möglich?
Mit entsprechender Vorbereitung ist dies auf jeden Fall etwas, über das wir reden könnten.

Wenn ein Unternehmen keine Frauen in Führungspositionen vorzuweisen hat, und offensichtlich wenige Ambitionen hat, das zu ändern, würde Sie das abschrecken?
Ja, klar. Wenn ich mich für ein Unternehmen engagieren soll, muss es das im Gegenzug auch für mich tun. Sonst geht das nicht.

Können sich Frauen, die Karriere machen wollen, leisten, eine Familie zu gründen?
Diese Frage stelle ich mir noch nicht. Aber Karriere und Familie muss prinzipiell miteinander zu vereinbaren sein. Ob das in dem Unternehmen möglich ist, möchte ich vorher wissen. Arbeitsgeber müssen das möglich machen.

Und wenn sie das nicht tun?
Dann wechseln qualifizierte junge Frauen zu denjenigen Unternehmen, die gleichberechtigte Karrieren von Männern und Frauen möglich machen.

Sollte das dem einen oder anderen Unternehmen zu denken geben?
Ja, meine Generation, schaut schon sehr darauf, nicht benachteiligt zu werden. Und die nächste wird noch mehr darauf achten und einfordern.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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