Generationswechsel
Familie erhöht Anteil an Gerry Weber

Die Finanzkrise hat auch börsennotierte Familienunternehmen getroffen. Seit Jahresbeginn ist die Aktie des Modemagnaten Gerry Weber von 22 Euro auf einen Tiefststand von 14 Euro am vergangenen Montag eingebrochen und tendiert seitdem unter 18 Euro. Nun nutzt der Sohn des Modemagnaten die Börsenkrise – und leitet einen Generationswechsel ein.

DÜSSELDORF. „Der Absturz hat uns tief getroffen und beunruhigt“, sagte Vorstandschef Gerhard Weber dem Handelsblatt. Vor allem angesichts der positiven Geschäftsentwicklung habe man nicht damit gerechnet.

Die Familie griff ein: Um das Vertrauen zu stärken, erhöhte Ralf Weber, Sohn von Gerhard Weber und Manager des Gerry Weber Sportparks in Halle, in den vergangenen Wochen seinen Anteil von drei auf acht Prozent. Die Gründerfamilien Weber und Hardieck halten damit aktuell rund 57 Prozent der Aktien. Ein weiterer Grund für den Ausbau des Familienanteils am Unternehmen: „Wir wollen uns auch in Zukunft nicht von Finanzinvestoren reinreden lassen“, sagte Weber.

Das gute Jahresergebnis stützt die Aktie nicht. Am 7. Januar hatte die im SDax notierte Gesellschaft ihre vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2006/07 (bis Ende Oktober) präsentiert. Die Zahlen waren – auch im Branchenvergleich – herausragend. Mit einem Umsatzplus von 14 Prozent durchbrach Gerry Weber erstmals die 500-Mill.-Euro-Marke. Mit einem Zuwachs beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern von knapp 26 Prozent auf 51,6 Mill. Euro erreichte der Konzern erstmals eine zweistellige Ebitmarge. Analyst Bernd Müll von der DZ Bank bekräftigte seine Kaufempfehlung für Gerry Weber bei einem Kursziel von 25 Euro.

Der Modekonzern aus Halle steht damit besser da als der Branchendurchschnitt und die ebenfalls börsennotierten Modekonzerne Ahlers und Escada, die zuletzt nur einstellige Zuwachsraten gemeldet hatten. In der Wachstumsdynamik hat Gerry Weber auch Hugo Boss überholt. Der größte deutsche Modekonzern hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2007 nur neun Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Das Ebit stieg um 16 Prozent auf 217,7 Mill. Euro.

Gerry Weber forciert nun auch den Generationswechsel: Neben Gerhard Weber, 66, und Vorstandskollege Udo Hardieck, 63, rückt im Oktober Doris Strätker in den Vorstand. Sie arbeitet bis dato beim Moderhersteller Biba. Das erste von außen kommende Vorstandsmitglied wird den Designbereich übernehmen. Hardieck und Weber werden ihre Verträge voraussichtlich im Oktober um noch einmal drei Jahre verlängern und dann ausscheiden.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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