Generationswechsel
Juniorchef saniert Logistikkonzern Fiege

Bald schon soll Jens Fiege den Spitzenjob im familieneigenen Logistikkonzern übernehmen, der für Modefirmen, Verlage oder Einzelhändler die komplette Abwicklung der Warenbeschaffung und Distribution übernimmt. Statt auf Übernahmen will der 36-Jährige künftig neue Wege gehen und auf organisches Wachstum setzen.
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GREVEN/DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick ist er unverschämt selbstbewusst: Jens Fiege, 36 Jahre jung und mehr oder weniger qua Erbfolge im Vorstand des Logistikkonzerns Fiege. "In unserer Branche fressen nicht die Großen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen", sagt der Junior in seinem ersten Interview.

Er lässt keinen Zweifel daran, dass Fiege zu den kleinen Schnellen und damit zu den erfolgreichen Nischenspielern gehört und so mit DHL, DB Schenker und Kühne & Nagel mithalten kann. Grund für solchen Optimismus gab es bei Fiege bis vor kurzem nicht. Erst zwei Jahre war Jens Fiege im Unternehmen, da verhoben sich die Münsterländer mit der Übernahme der Transportfirma TTS.

Das war 2006. Weil die Integration hakte, der als Mitgift übernommene TTS-Großkunde Metro zum Wettbewerber Dachser überlief und sich das Transportgeschäft mit seinen 450 Lastwagen als unwirtschaftlich erwies, mussten fast 1 000 Mitarbeiter gehen. Fiege sah sich gezwungen, große Teile der Lkw-Flotte zu Geld zu machen, Pläne für ein eigenes Landverkehrsnetz gab das Familienunternehmen auf.

Acht von 14 TTS-Standorten machten dicht. Und kaum zwei Jahre später der zweite Schock. Den Logistikkonzern trafen die Auswirkungen der Finanzkrise. 2009 sank der Nettoumsatz der 67 konsolidierten Konzerngesellschaften um 19 Prozent - auf 960 Mio. Euro. Nach einem Verlust von 15 Mio. Euro im Vorjahr schaffte Fiege 2009 zwar diesmal einen Überschuss von 12,5 Mio. Euro. Laut Konzernbericht war dafür jedoch kaum das florierende Geschäft verantwortlich, sondern vielmehr ein Sondererlös aus dem billigen Rückkauf ausgegebener Genussscheine.

Die Durststrecke will der Logistiker jetzt überwinden. "Für 2010 rechnen wir wieder mit einem nachhaltigen Gewinn", sagt Fiege dem Handelsblatt. "Unsere sehr guten Halbjahreszahlen bestätigen uns hier." Nicht nur die überraschend starke Geschäftsbelebung der Branche, von der die Bundesvereinigung Logistik (BVL) seit einer Unternehmensbefragung im Mai berichtet, verschafft Fiege neuen Rückenwind. Kunden wie Haribo und Nestlé wurden hinzugewonnen, neue Standorte in Osteuropa eröffnet.

Bilanziell sei das TTS-Abenteuer seit Mitte 2008 verdaut. Neue Großprojekte seien Fiege auf der Schiene: 2009 vereinbarte man mit dem Modekonzern Esprit den Bau eines 60 Mio. Euro teuren Verteilzentrums in Mönchengladbach, im Herbst dieses Jahres wird ein Logistikstandort in Portugal eröffnet, in Rom entsteht ein 40 000 Quadratmeter großes Warencenter für Firmen aus der Pharmabranche.

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