Genossenschaften
Vernetzte Apotheker stärken ihre Abwehrkräfte gegen Discounter

Mit Billigangeboten für nicht-rezeptpflichtige Arzneimittel überschwemmen Discount-Apotheken derzeit den Markt und machen niedergelassenen Apothekern das Leben schwer. Um sich im Wettbewerb zu behaupten, gründen die Apotheker darum Genossenschaften und bündeln Einkauf und Werbung.

BERLIN. Aspirin zu Schleuderpreisen - das bereitete dem Apotheker Andreas Lejeune und seinen Kollegen im Großraum Hannover Kopfschmerzen. "Vor drei Jahren siedelten sich hier die ersten Discount-Apotheken an", sagt er. Die Alteingesessenen mit ihren traditionell geführten Betrieben in Wohngebieten fürchteten einen massiven Preiskampf. Der Hintergrund: Anfang 2004 wurde in Deutschland die Preisbindung für nicht-rezeptpflichtige Arzneimittel aufgehoben. Seitdem herrscht bei Mitteln wie Nasensprays, Kopfschmerztabletten oder Hustensäften der freie Wettbewerb.

Lejeune setzte sich mit mehreren Kollegen zusammen und beratschlagte, was zu tun sei. Die Apotheker beschlossen, sich gemeinsam zu organisieren - und gründeten 2006 die Apothekergenossenschaft Apogen. "Das primäre Ziel ist ein gemeinsames Marketing", erläutert Lejeune die Abwehrstrategie. Gemeinsam leisten sich die 30 beteiligten Apotheker, was sie als Einzelunternehmen niemals hätten bezahlen können: eine professionelle Marketing-Agentur, Werbung in Zeitschriften oder auf Plakaten und Flyer mit Einkaufsgutscheinen.

Gemeinsames Marketing gehört auch bei der 2006 gegründeten Apothekergenossenschaft Friesland dazu. "Die größere Rolle spielt bei uns aber der gemeinsame Einkauf von Medikamenten", sagt Rolf Bruns, Vorstand der Genossenschaft und Inhaber der Apotheke am Rathaus in Zetel. Mittlerweile sind 14 Apotheken in dem Zusammenschluss organisiert und kaufen direkt bei einem großen Generikahersteller eine breite Palette nicht-verschreibungspflichtiger Medikamente.

Dazu haben die Genossen eine Rahmenvertrag ausgehandelt, in dem jeder unabhängig von den anderen bestellen kann. Eine Ausweitung der Einkaufsgemeinschaft über den Landkreis hinaus kann sich Bruns zwar vorstellen - allerdings sei der regionale Bezug für ihn sehr wichtig: "In unserer Gemeinschaft herrscht ein großes Vertrauen zueinander", sagt er.

Auch Apogen agiert als Einkaufsgemeinschaft - so können die genossenschaftlich organisierten Apotheken die Zwischenhandelsstufe teilweise einsparen. "Die Grundidee besteht darin, Einblick in die vorgelagerte Handelsstufe zu erhalten, Einfluss auf sie zu nehmen und als Regulativ im Markt zu wirken", beschreibt der Apotheker Klaus Brauer das Funktionsprinzip der Apothekergenossenschaft. Über Dividendenausschüttungen oder durch Rückvergütung würden die Mitglieder am wirtschaftlichen Erfolg der Genossenschaft beteiligt.

Brauer leitet die Stadtwald-Apotheke in Essen und ist Aufsichtsratsvorsitzender der dort mit Hauptsitz ansässigen Noweda, einer der ältesten Apothekergenossenschaften in Deutschland. Das 1939 gegründete apothekereigene Wirtschaftsunternehmen hat heute über 7 000 Mitglieder, die aus 14 Niederlassungen versorgt werden. Mit mehr als drei Mrd. Euro Umsatz kommt Noweda im Pharmagroßhandelsmarkt auf einen Marktanteil von über 14 Prozent.

Neben dem Kerngeschäft des Pharmahandels bietet die große Genossenschaft ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Dienstleistungen wie etwa Marketingberatung, Sortimentsanalysen, betriebswirtschaftliche Beratung oder Unterstützung beim Umbau der Apotheke. Eine Dachmarke soll Noweda aber nicht sein. "Jedes Mitglied wählt aus dem Angebotspaket, was es braucht, um den eigenen Betrieb zu profilieren", sagt Brauer.

Anders die neuen Genossenschaften in Hannover und Friesland, die sehr wohl die Rolle einer Marke übernimmt. Dabei bleiben die Apotheken allerdings weiter individuell gestaltet - lediglich in der Außenwerbung treten sie als Verbund auf. Besonders stolz ist Lejeune auf die eigene Medikamentenmarke: Das Schmerzmittel Ibuprofen gibt es in den Apogen-Apotheken mittlerweile zu einem günstigen Preis im Genossenschafts-Design, weitere Wirkstoffe sollen folgen. Insgesamt sei der Plan aufgegangen, sagt Lejeune. Die angesichts der Discount-Konkurrenz befürchteten Einbußen habe es nicht gegeben, die Reaktion der Kunden auf den Zusammenschluss sei durchweg positiv, sagt Lejeune: "Wir haben uns zu einer regionalen Marke entwickelt."

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