Geräte-Gestaltung
Maschinenbauer nehmen sich den iPod zum Vorbild

Design wird immer mehr zum Verkaufsargument: Moderne Maschinen ermöglichen dem Nutzer Einblicke in ihr Innenleben - und überzeugen damit sogar Gestaltungs-Jurys. Zudem achten die Kunden zunehmend auf einfache Bedienbarkeit.

STUTTGART. Der Werkzeugmaschinenbauer Kadia aus dem württembergischen Nürtingen hat mit seinen Maschinen zuletzt nicht nur Kunden überzeugt, sondern auch Wettbewerbs-Juroren. Der Spezialist für das Zerspanen und Entgraten, der 180 Mitarbeiter beschäftigt, hat im vergangenen Herbst den internationalen Designpreis des Landes Baden-Württemberg errungen. "Blitzsauber gestaltete Maschine, keine Spielereien", lobte die Jury.

Die neu entwickelte Maschine LH 20-250 können Unternehmen zum so genannten Honen verwenden - einem zerspanenden Feinbearbeitungsverfahren. Kadia, das 35 Mill. Euro Umsatz erwirtschaftet, hatte die Maschine komplett überarbeitet und dabei auch die äußere Erscheinung modernisiert. Henning Klein, Prokurist und Sohn des Geschäftsführers Gerhard Klein, ist für diesen Strategiewandel im Unternehmen verantwortlich. "Die Wertigkeit einer Maschine muss von außen zu sehen sein", begründet Klein. "Die alte Maschinengeneration sah zusammen geschraubt aus und stand konträr zu dem technischen Know-How und der Leistungsfähigkeit, die in ihr stecken."

Mit der neuen Liebe zu schöner Maschinen-Optik ist Kadia in guter Gesellschaft. Zwar sind Werkzeugmaschinen hoch komplex, doch allein mit innovativer Technik können sich Hersteller kaum von Konkurrenten abgrenzen. Immer mehr Maschinenbauer setzen deshalb auf schnittige Maschinen im iPod-Design, die selbst technisch versierte Käufer emotional ansprechen und überzeugen sollen.

Für Kadia-Prokurist Koch gehörte es von Anfang an zu den obersten Prioritäten, der Honmaschine ein schickes Blechkleid zu schneidern. Die Verkleidung besteht aus einer lichtgrauen Klammer, die sich nach vorn zum Bediener hin öffnet.

Die einzelnen Arbeitsschritte, die die Maschine ausführt, sind durch große Frontscheiben einsehbar. Zudem ist die Front konisch geformt und fällt nach unten hin ab, so dass Arbeiter bequem vor der Maschine am Flachbildschirm stehen können, ohne die Füße oder Beine verdrehen zu müssen. Sie ermüden so weniger schnell.

Dass Maschinen-Hersteller immer stärker auf das Design ihrer Produkte achten, beobachtet auch Industriedesigner Jürgen Schmid aus Ammerbuch bei Tübingen, der bei Maschinen- und Werkzeugbauern wie Homag, Bürkle oder Metabo ein und aus geht. Für den 52-Jährigen ist klar: Maschinen verkaufen sich in Zukunft wie Autos - nämlich über Emotionen. Vor allem jüngere Ingenieure achteten bei Maschinen darauf, dass nichts übersteht und stattdessen glatte und bündige Flächen dominieren. "Die ästhetische Ordnung und die einfache Handhabung rücken in den Fokus", sagt Schmid. Beides gehöre ohnehin zusammen, weiß der Experte: "Schlichte Maschinen sind einfach zu bedienen."

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