Gerd Kerkhoff
„Einkäufer holen im Moment das meiste raus“

In der Krise schlägt die Stunde der Einkaufsabteilungen, meint Unternehmensberater Gerd Kerkhoff. Im Handelsblatt-Interview spricht der Experte für Materialwirtschaft über das schlechte Image der Einkäufer und verrät, wie mittelständische Unternehmen ihren Einkauf verbessern können.

Handelsblatt: Das Image des Einkäufers ist gemeinhin nicht das allerbeste - woran liegt das?

Kerkhoff: Das Image leidet unter den schwarzen Schafen der Branche. Einige Einkäufer waren bestechlich - deshalb fällt oftmals ein schlechtes Licht auf das gesamte Berufsfeld. Darüber hinaus haben Einkäufer ein schlechtes Image, weil der Job oft falsch verstanden wird. Er ist ja nicht nur ein reiner, hemdsärmeliger Beschaffer. Er muss auch Märkte kontinuierlich beobachten. Oder gesellschaftliche Entwicklungen abschätzen und daraus neue Bedürfnisse ableiten - also strategisch denken.

Was unternimmt der Berufszweig denn, um seinen Ruf aufzupolieren?

Neben dem Branchenverband, der Lobbyarbeit leistet, sind es vor allem die Unternehmen selbst, die das Image verbessern können. Sie fokussieren und betrachten den Einkauf heute anders. Das ist vor allem ein Resultat der aktuellen Wirtschaftskrise: Das Kostenbewusstsein ist gewachsen. Viele Unternehmer überlegen, wie sie den Einkauf stärker positionieren können und verhelfen damit auch dem Berufsbild des Einkäufers zu einem besseren Image. Zum Beispiel haben wir heute häufig Vorstände bei unseren Beratungsgesprächen mit am Tisch sitzen, wenn es um neue Einkaufsstrategien geht. Das war vor zehn Jahren noch seltener der Fall. Außerdem denken Betriebe über Projekte und Schulungen nach, um den Einkauf zu professionalisieren. Sie investieren Geld in die Einkaufsabteilungen und die Mitarbeiter dort.

Dennoch ist der Einkauf bislang nur in relativ wenigen Unternehmen strategisch in Entscheidungen eingebunden.

Die Bedeutung der Einkäufer wächst aber. Sie werden zu den Mitarbeitern, die momentan das Meiste für ihre Unternehmen herausholen können, zu Match-Makern. Stand bisher vor allem die Liefersicherheit im Vordergrund, ist heute ein anderer Trend zu erkennen. Die Verbesserung der Lieferkonditionen rückt in den Vordergrund: die Einkaufswelt kümmert sich zu 90 Prozent um die Senkung der Einkaufskosten. Gleichzeitig darf die Qualität der zugelieferten Produkte nicht leiden. So etwas geht nur mit einer ausgeklügelten Einkaufsstrategie.

Die Anforderungen an Einkäufer haben sich also in den vergangenen Jahren gewandelt. Sind die Karrierechancen dadurch besser geworden?

Einkäufer sind künftig aus dem Top-Management nicht mehr wegzudenken. Kamen die Vorstände bisher meist aus dem Finanzbereich, bietet sich jetzt auch Einkäufern die Chance auf solche Top-Positionen. Das wird auch mehr Absolventen in die Materialwirtschaft locken, die bisher vielleicht eher davon träumten, Investmentbanker zu werden. In der Branche findet derzeit ein großer Wandel statt.

Und welche Effizienzpotentiale sehen Sie in der Materialwirtschaft?

Jede Million, die man im Einkauf spart, ist heute wesentlich wichtiger als noch im letzten Jahr. Denn die Rückgänge im Vertrieb können sehr dramatisch sein. Wenn 30 Prozent Umsatz verloren gehen, ist jede Million, die man im Einkauf ausgibt, schmerzhaft. Betrachten wir das Beispiel eines Unternehmers, der jährlich für 100 Millionen Euro einkauft. Wenn es gelingt, bei den Einkaufskosten drei Prozent zu sparen, sind das auf einen Schlag drei Millionen Euro. Wo will ein Betrieb sonst in so kurzer Zeit so viel Geld einsparen? Bei den Mieten, Reisekosten oder Personalkosten ist das kaum möglich, ohne dass negative Folgen für das Unternehmen auftreten. Entlässt man etwa Facharbeiter, fehlen diese dem Betrieb, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Deshalb ist der Einkauf momentan so stark im Fokus. Die Krise zwingt die Unternehmer dazu, alles zu prüfen und zu hinterfragen.

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