Geschäft mit offenen Forderungen steigt um ein Viertel
Factoring-Anbieter profitieren von Pleite-Rekorden

Für die Factoring-Branche hat die jüngste Pleitewelle in Deutschland etwas Gutes: Unternehmen, die fürchten, dass ihre Kunden pleite gehen und ihre Rechnungen nicht bezahlen, nutzen verstärkt den Verkauf offener Forderungen, das so genannte Factoring. Die im Deutschen Factoring-Verband zusammen geschlossenen 20 Anbieter haben im ersten Halbjahr ihren Umsatz um 24 Prozent auf 20,5 Mrd. Euro gesteigert.

kk FRANKFURT/M. Beim Factoring kaufen die Anbieter den Kunden Forderungen für Waren oder Dienstleistungen gegen Zinsen und Gebühren ab. Sie übernehmen das Eintreiben der Rechnungen und damit auch das Risiko eines möglichen Zahlungsausfalls. Der Deutsche Factoring-Verband deckt nach eigenen Angaben etwa 95 Prozent des Marktes ab.

Joachim Secker, Sprecher des Vorstands des Verbandes und Vorstandsvorsitzender der Heller Bank AG, macht für das gute Ergebnis der Mitglieder außer der Pleitewelle auch das generelle Interesse an neuen Finanzierungsformen verantwortlich. „Mittelständler suchen nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten“, erklärt Secker die hohe Nachfrage.

Besonders gut lief zuletzt das Auslandsgeschäft. Im ersten Halbjahr legte das internationale Factoring- Geschäft um 41 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres zu und macht mittlerweile fast ein Viertel der Umsätze aus. Für das Gesamtjahr erwartet Secker für die Branche ein mindestens leicht zweistelliges Umsatzwachstum. Das sei zwar angesichts des starken ersten Halbjahres nicht sehr ambitioniert, sagt er. Das liege aber vor allem daran, dass das vierte Quartal 2003 bereits sehr stark war und der Vergleich damit schwerer falle.

Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist Factoring in Deutschland immer noch ein Randgeschäft. Während in Großbritannien der Factoring-Umsatz im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt bereits im vergangenen Jahr bei knapp zehn Prozent lag, betrug diese Kennziffer in Deutschland im ersten Halbjahr gerade einmal bei 1,9 Prozent. Auch in Frankreich und Italien ist das Factoring-Geschäft viel weiter verbreitet. Verbands-Sprecher Secker und sein Kollege Ralf Bauer von der Eurofactor AG beklagen, dass in Deutschland noch immer viele Vorurteile gegenüber Factoring bestünden. Viele potenzielle Kunden fürchteten noch immer, dass etwa die Hausbank einen Factoring-Vertrag als Zeichen für Liquiditätsprobleme interpretieren könnte. Zu oft würde Factoring auch noch mit Inkasso gleich gesetzt, sagt Secker. Dagegen hätten sich die Kunden der Factoring-Gesellschaften in einer Umfrage des Verbandes sehr zufrieden geäußert und auch nur selten Probleme mit ihrer Hausbank beklagten, berichtet Bauer.

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