Geschäftschancen
Frankreich: Milliarden für Energie

Frankreich will 450 Mrd. in grüne Technologien und Umweltschutz investieren. Allein in die Sanierung von Gebäuden fließt ein dreistelliger Milliardenbetrag. Eine Riesenchance - gleich für mehrere Branchen.

PARIS. In Frankreich werden bis 2020 Investitionen in Höhe von 450 Mrd. Euro vorrangig in Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Umweltschutz fließen. Davon finanziert der öffentliche Sektor rund 170 Mrd. Euro. Die Zahlen stehen im Umweltplan 2020, den die französische Nationalversammlung Anfang des Jahres mit großer Mehrheit verabschiedete. Erarbeitet hat ihn ein Umweltgipfel aus Politikern und Vertretern wichtiger Verbände, Gewerkschaften, Umweltorganisationen und der Wissenschaft. Die Boston Consulting Group schätzt, dass das Programm 600.000 Arbeitsplätze schaffen oder sichern wird.

Mit 192 Mrd. Euro dient ein Großteil der Ausgaben dazu, Altbauten, Sozialwohnungen und öffentliche Gebäude thermisch zu sanieren. Der Umweltagentur Ademe zufolge wird der Markt für Isolierung, Heizung und Klimatisierung sein aktuelles Volumen von 9 Mrd. Euro bis 2012 auf 22 Mrd. Euro steigern. Gleichzeitig würden rund 120.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Der Einsatz wird laut Ademe besonders bei Isolierungsarbeiten zunehmen, das heißt bei der Herstellung und dem Einbau von Fenstern. Dieses Segment beschäftigte 2007 bereits 54.000 Personen.

Die Regierung will den Energieverbrauch von Privatwohnungen bis 2020 um 38 Prozent senken. In Frankreich gab es zu Beginn 2009 etwa 31,3 Mio. Privatwohnungen. In einer ersten Phase bis 2012 will der Umweltplan 800.000 Wohnugen renovieren und danach 400.000 pro Jahr. Die Berufsvereinigungen des Baugewerbes stützen den Prozess mit Ausbildungsprogrammen, die bis 2012 insgesamt 120.000 Personen schulen werden.

Die Renovierungsarbeiten kosten zwischen 200 und 400 Euro pro Quadratmeter. Als Anreiz vergibt der Staat seit April 2009 zinslose Darlehen bis zu einer Obergrenze von 30.000 Euro. Laut Umweltminister Jean-Louis Borloo würden bis Ende 2010 Aufträge im Wert von mehr als 18 Mrd. Euro anstehen. Das Handwerk könnte dadurch seinen Jahresumsatz von aktuell 9 Mrd. Euro verdoppeln. In Europa nimmt die französische Bauindustrie eine Sonderstellung ein, weil sie überwiegend aus kleinen Handwerksbetrieben besteht. Laut dem Branchenverband Capeb zählt die französische Bauindustrie insgesamt 363.000 Unternehmen, von denen 356.000 weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Privatwohnungen sollen nicht nur energieeffizienter werden, sie sollen auch verstärkt mittels erneuerbarer Energien heizen. Der Umweltplan gibt das Ziel aus, dass private Haushalte bis 2012 jährlich 5,3 Mrd. Euro in individuelle Heizsysteme mittels Wärmepumpen, Solarthermie und Holzheizungen investieren.

Um die öffentlichen Einrichtungen mit einer Fläche von circa 120 Mio. qm zu renovieren, sucht der Staat Unterstützung im Privatsektor. Öffentlich-private Partnerschaften (PPP) sollen 20 Mrd. Euro zusammenbringen. Als Gegenleistung bekommt die private Seite eine Miete über den Zeitraum von 30 Jahren, die genau der Kostenersparnis durch die erhöhte Energieeffizienz entspricht. Hinzu kommen Renovierungsarbeiten im Wert von 40 Mrd. Euro für die Gebäude der Gebietskörperschaften, die bei einem Ölpreis von 55 Euro pro Barrel einer Energieersparnis von 43 Mrd. Euro in einem Zeitraum von 30 Jahren gegenüberstehen.

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