Geschäftschancen
Streckenbau lockt Firmen nach Schweden

Schweden plant Milliardeninvestitionen in seine Schienennetze. Auch die vollständige Marktöffnung des Eisenbahnverkehrs sorgt für zahlreiche Geschäftschancen.
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STOCKHOLM. Die Weichen für den Bau neuer Hochgeschwindigkeitsstrecken, der größten Infrastrukturinvestition des Landes, sind gestellt. "Nach einer zusätzlichen Expertenkonsultation, die die Finanzierungsfragen endgültig klären soll, folgen die formale Beschlussfassung und die Planungsphase für den Streckenbau", berichtet Sören Belin vom Interessenverband Future Rail Sweden.

In dem 2009 von der Regierung bestellten Gutachten, das den Bau der neuen Strecken empfiehlt, sind Kosten von rund 13,1 Milliarden Euro beziffert. Konkret schlägt die Expertise den Bau einer 440 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsdoppelspur zwischen Stockholm und Göteborg (Götalandsbanan) und einer 300 Kilometer langen Strecke zwischen Malmö und Jönköping (Europabanan), die dort auf die Götalandsbanan trifft, vor.

Ein Baustart der beiden neuen Strecken wäre ab 2015 möglich, die Aufnahme des Verkehrsbetriebes könnte zwischen 2023 und 2025 erfolgen.

Die Expertise berücksichtigt, dass die neuen Trassen kompatibel mit den derzeitigen Strecken des Hochgeschwindigkeitszugs X2000 sein sollen, damit Bau und Betrieb etappenweise erfolgen können. Auf die bestehenden X2000-Verbindungen soll außerdem mithilfe neuer Züge höheres Tempo gebracht werden. "Wir freuen uns, wenn das Thema Hochgeschwindigkeit beziehungsweise der Austausch der X2000-Züge ins Rollen und die Beschaffungsverfahren in Gang kommen", sagt Urban Beckman, der bei Siemens Schweden für den Schienenverkehrsbereich zuständig ist.

Weiterer Ausbau im Schienenverkehr gefordert

Hochgeschwindigkeit ist aber nicht die einzige Baustelle im Schienenverkehr. "Schweden braucht generell mehr Gleiskapazität - sowohl für den Güter- als auch für den Passagiertransport", erläutert Eisenbahnexperte Belin. Er fordert daher die Erweiterung der überforderten Gleise auf Doppelstrecken und die Elektrifizierung alter Trassen.

"Für Baufirmen, die im Infrastrukturbau tätig sind und sich auf die hiesigen Marktbedingungen einstellen, bestehen in Schweden gute Auftragschancen, denn Schweden investiert kräftig", meint Gunnar Stille, Geschäftsführer der schwedischen Tochter des Baukonzerns Hochtief.

Die Budgetplanung der Regierung sieht in der Periode 2010 bis 2021 - ohne Berücksichtigung der Hochgeschwindigkeitsstrecken - Haushaltsmittel in Höhe von 43,8 Milliarden Euro für Schwedens Verkehrswege vor. Davon sollen 6,7 Milliarden Euro in den Betrieb sowie in die Wartung/Instandhaltung der Schienennetze gehen. Weitere 6,8 Milliarden Euro sind für Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur vorgesehen.

Die Landesregionen planen im gleichen Zeitraum Verkehrswege-Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro. Mit einem Volumen von knapp 1,7 Milliarden Euro ist aktuell der Bau der zentralen, unter Stockholm laufenden Stadtbahntrasse das größte Vorhaben. Die deutschen Baufirmen Züblin und Bilfinger Berger sind als Auftragnehmer mit von der Partie.

Offen für Angebote aus Deutschland

"Wir bringen viele Ausschreibungen auf den Weg. Aufgrund der langfristigen Verkehrswegeplanung und hohen Transparenz haben Industrie und Baufirmen, die im Eisenbahnbau tätig sind, gute Möglichkeiten, sich auf die Marktentwicklung einzustellen und Angebote zu erarbeiten", sagt Jan Håkansson von der nationalen Infrastrukturbaubehörde (Trafikverket). Außerdem sei man offen für Angebote aus Deutschland und habe gute Erfahrungen mit deutschen Auftragnehmern gemacht.

Besonders gefragt sind generell Gleisbaukapazitäten. Aber auch für Metallbau, -Baumaterial, Baumaschinen, Elektrifizierung, Verkehrs-, Signal- und Kommunikationstechnik sei die Nachfrage hoch. "Hier haben auch Unterauftragnehmer gute Möglichkeiten, bei Projekten dabei zu sein. Gerade für deutsche Firmen, die Spezialkompetenzen in diesem Umfeld mitbringen, sehe ich große Chancen", schätzt Hochtief-Chef Stille.

Trafikverket hat zudem angekündigt, noch stärker den europäischen Bemessungsregeln (Eurocodes) zu folgen. Dadurch dürften sich die Voraussetzungen für deutsche Firmen bei den Ausschreibungen weiter verbessern. Für Siemens-Manager Beckman zählt bei den Beschaffungsverfahren neben Preis und Qualität das Thema Sicherheit zu den wichtigsten Auswahlkriterien. "Außerdem hat das Thema Lifecyclekosten an Bedeutung gewonnen. Hier können Firmen mit günstigen Wartungskonzepten punkten."

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