Geschäftsklima
Frankreich: Keine Trendwende in Sicht

Frankreich ist mit einem Mini-Wachstum von 0,1% im letzten Quartal 2008 knapp an einer Rezession vorbeigekommen. Eine entscheidende Trendwende ist jedoch vorerst nicht in Sicht. Die Binnennachfrage ist spürbar eingebrochen und der Außenhandel weist ein Rekorddefizit auf.

PARIS. Die Hoffnung konzentriert sich auf den Staat und neue Impulse zur Belebung der Nachfrage. Die Regierung kündigte für die kommenden drei Jahre eine Ausweitung der staatlichen Direktinvestitionen über insgesamt 175 Mrd. an. Deutschland bleibt wichtigster Handelspartner.

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Frankreichs Wirtschaft geriet 2008 voll in den Strudel der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs voraussichtlich nur um 0,9%, bedingt durch die Zurückhaltung der privaten Haushalte und Unternehmen in Konsum und Investitionen. An der Rezession rutschte Frankreich aber knapp vorbei, da die BIP-Entwicklung nach einem Rückgang von 0,3% im 2. Quartal im 3. Quartal leicht positiv ausfiel (0,1%). Für 2009 erwartet die Regierung ein BIP-Wachstum zwischen 0,2 und 0,5%, während die Prognosen der EU-Kommission (0,0%) und des Internationalen Währungsfonds (-0,5%) stärker nach unten tendieren. Die wichtigsten Faktoren für die Abschwächung des Wachstums liegen im starken Inflationsschub aufgrund der hohen Rohstoffpreise und den Auswirkungen der internationalen Finanzkrise - obwohl sich das Engagement der nationalen Großbanken im US-Subprimemarkt in Grenzen hielt.

Die Entwicklung der ersten neun Monate 2008 zeigt in allen wichtigen Konjunkturindikatoren eine scharfe Trendwende. Der Produktionsindex der Industrie sank im dritten Quartal um weitere 0,8% nach einem Rückgang um 1,5% im zweiten Quartal. Am stärksten betroffen war der Automobilbau; danach folgten Zwischenprodukte, Konsumgüter und das Baugewerbe. Leicht positiv abschneiden konnte nur die Ausrüstungsgüterindustrie, vor allem dank der guten Konjunktur im Schiffbau und in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Für eine leichte Entspannung im Jahresverlauf sorgte lediglich die Stabilisierung und der anschließende Rückgang des Preisindex der importierten industriellen Rohstoffe.

Gesamtwirtschaftliche Prognosen

Das Haushaltsdefizit soll laut der Regierung von 2008 auf 2009 von 2,9% auf 3,1% des BIP ansteigen (57,6 Mrd. Euro), ursprünglich geplant war eine Beschränkung auf 2,7% für beide Jahre. Brüssel prophezeit Frankreich für 2009 dagegen ein Defizit von 3,5%, das 2010 sogar noch auf 3,8% ansteigen soll. Damit rückt Frankreich in weite Ferne von den Maastricht-Kriterien und das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts im Jahr 2012 scheint aussichtslos. Die Regierung bleibt aber optimistisch, das Defizit 2011 zumindest auf 1,9% und 2012 auf 1,2% zu reduzieren - dies implizierte aber ein BIP-Wachstum je 2,5% in den beiden Jahre. Das Rettungspaket für die Geschäftsbanken über 320 Mrd. Euro schlägt sich nicht im Haushalt nieder, erhöht aber die staatliche Gesamtverschuldung.

Zugute kommt Frankreich im Vergleich mit anderen von der Rezession betroffenen OECD-Ländern, dass die Regierung Sarkozy seit Mitte 2007 eine Reihe von wichtigen Strukturreformen auf den Weg gebracht hat, um den Arbeitsmarkt zu beleben und die Investitionsneigung zu fördern. Ein wichtiger Ansatz zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes bestand in der Aufweichung der vor zehn Jahren eingeführten 35-Stunden-Woche. 2007 wuchs die Beschäftigung um rund 290.000 Arbeitsplätze und die Arbeitslosenquote, die Anfang 2006 noch über 9,0% geklettert war, sank bis Juni 2008 auf einen hoffnungsvollen Niedrigstand von 7,2%. Die Kaufkraft auf der Basis des verfügbaren Bruttoeinkommens stieg 2007 um beachtliche 3,3%, während die Inflationsrate mit 1,6% moderat blieb. Der wirtschaftliche Abschwung drehte dieses positive Szenario wieder um mit der Folge eines Rückgangs der Beschäftigung, einer kaum spürbaren Verbesserung der Kaufkraft mit der Folge einer abnehmenden Konsumneigung.

Seite 1:

Frankreich: Keine Trendwende in Sicht

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%