Geschäftsklima verbessert sich trotz schwacher Binnenkonjunktur – Dynamik ist aber nach wie vor gering
Mittelstand schöpft etwas Hoffnung

Trotz der überraschend schwachen Binnenkonjunktur im ersten Halbjahr hat sich das Geschäftsklima im deutschen Mittelstand seit dem Winter aufgehellt. Das zeigt ein am Donnerstag erstmals veröffentlichter Index der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand, der sieben Verbände aus Handel, Handwerk, Gastgewerbe und Kreditwirtschaft angehören.

ost DÜSSELDORF. Das Barometer, das auf einer Befragung von 26 000 Betrieben basiert, kletterte in den vergangenen sechs Monaten von 88,8 auf 93,8 Punkte. Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die deutlich stärker als die Großindustrie von der Binnenwirtschaft abhängen, beurteilen sowohl ihre derzeitige Geschäftslage als auch ihre Zukunftsaussichten besser als vor einem halben Jahr.

Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), warnte dennoch vor zu großem Optimismus: „Die Lage des vorrangig am Binnenmarkt orientierten Mittelstandes bleibt nach wie vor hinter der Gesamtwirtschaft zurück“, sagte er mit Blick auf den Ifo- Geschäftsklima-Index, der bei 95,3 Punkten liegt und sich damit auf höherem Niveau befindet als der Mittelstandsindex. Bankenvolkswirte halten allerdings wenig von einem direkten Vergleich beider Konjunktur-Barometer – schließlich ist der Ifo-Index anders als der Mittelstandindikator saisonbereinigt. Dagegen begründeten die Mittelstandsverbände den Anstieg ihres Indexes zum Teil mit einer für die Jahreszeit üblichen Belebung – für den Ifo-Index spielen solche Faktoren hingegen keine Rolle. „Die Niveaus beider Indikatoren direkt miteinander zu vergleichen, ist daher methodisch zweifelhaft“, sagte Thomas Hueck, Volkswirt bei der Hypo- Vereinsbank.

Das Ansteigen des Mittelstandsbarometers wertet Hueck dennoch als „erstes zaghaftes Anzeichen, dass der Funke aus dem Ausland auf die Binnenwirtschaft überzuspringen beginnt“. Für einen sich selbst tragenden Aufschwung, geschweige denn für eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt, sei das allerdings noch viel zu wenig.

In der ersten Jahreshälfte hat sich die Binnenwirtschaft deutlich schlechter entwickelt als erwartet. Die meisten Experten hatten nicht nur mit steigenden Investitionen gerechnet, sondern auch ein Anziehen des privaten Konsums vorhergesagt – unter anderem wegen des teilweisen Vorziehens der dritten Stufe der Steuerreform. Tatsächlich aber sind in den ersten sechs Monaten die Konsumausgaben um 0,4 Prozent geschrumpft, die Anlageinvestitionen sogar um 0,7 Prozent. „Darunter haben vor allem die konsum- und baunahen Branchen gelitten“, sagt Kurt Demmer, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank. Gerade dort dürfte auch der Stellenabbau weitergehen, zeigen gestern veröffentlichte Details der monatlichen Ifo-Konjunkturumfrage. So wollen in der westdeutschen Bauwirtschaft unter dem Strich 45 Prozent der Firmen in den nächsten Monaten Arbeitsplätze streichen, im westdeutschen Einzelhandel sind es acht Prozent.

Allein im Handwerk brechen im laufenden Jahr nach Angaben von Schleyer voraussichtlich 150 000 Arbeitsplätze weg. Damit habe das Handwerk innerhalb von fünf Jahren 1,5 Millionen Arbeitsplätze verloren. Ende 2004 könnte die Gesamtzahl der Beschäftigten unter die Fünf-Millionen- Marke sinken.

In anderen Branchen gibt es allerdings auch im Mittelstand Lichtblicke: „Im Maschinenbau, der Kunststoffindustrie und bei Automobilzulieferern läuft das Geschäft teilweise deutlich besser als die gesamtwirtschaftliche Konjunktur“, betont IKB-Experte Demmer. Die Erholung in diesen Branchen dürfte sich 2005 fortsetzen: „Die Exportzuwächse werden zwar kleiner werden, aber das Wachstum in diesen Branchen wird überdurchschnittlich hoch bleiben“, ist Demmer überzeugt. Im Oktober hat die deutsche Industrie ihre Exportchancen sogar wieder etwas günstiger bewertet als im Vormonat, zeigen die Ifo-Details. Die Geschäftsaussichten insgesamt beurteilten die Unternehmen skeptischer als im September, die aktuelle Lage dagegen etwas besser.

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