Gescheiterte Softwareunternehmen schaffen Wiederauferstehung als Nischenanbieter
Im Mittelstand regt sich SAP-Konkurrenz

Mittelständische Unternehmen arbeiten zunehmend mit speziellen Computerprogrammen für ihre Produktionsplanung. Dabei muss die eingesetzte ERP- Software (Enterprise Resource Planning) nicht unbedingt vom weltweiten Branchenführer SAP aus Walldorf kommen

ruk MÜNCHEN. Der in Denklingen bei Köln ansässige Hosenfabrikant Meyer-Hosen AG etwa arbeitet seit dem Sommer dieses Jahres in der Materialwirtschaft sowie der Produktionsplanung und -steuerung mit der Software „Collection“ von Brain Industries. Der Mittelständler Meyer-Hosen fertigt jährlich rund 1,4 Millionen Herrenbeinkleider und bestückt beispielsweise das Sortiment von C&A

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Dabei kommt das von Brain Industries aus Wangen bei Stuttgart angebotene Paket von einem der Totgesagten der Softwarebranche. Nach der Insolvenz von Brain International im Sommer 2002 übernahm die in Atlanta, Georgia, ansässige US-Gruppe Agilisys die Konkursmasse des gescheiterten deutschen Softwarehauses und formte daraus zwei neue Nischenanbieter. Brain Automotive sollte weiter Kunden im wichtigen deutschen Markt der Automobilhersteller und Zulieferer bedienen. Brain Industries schnitt seine Software auf die Bedürfnisse verschiedener Hersteller der mittelständischen Fertigungsindustrie zu.

Heute zählt das Unternehmen beispielsweise den Antennenbauer Kathrein im bayerischen Rosenheim, den Spezialisten für Hochfrequenztechnik Spinner in München oder der Zigarrenhersteller Dannemann im ostwestfälischen Bünde zu seinen Kunden. Seit Dezember 2002 sei die Brain Industries GmbH profitabel, sagt Geschäftsführer Wolfgang Kobek. Man habe in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld sogar drei Neukunden gewinnen können. Zusätzlich müsste der Bestand von etwa 500 Kunden weltweit systematisch bedient werden.

Das Erfolgsgeheimnis der Auferstehung der Brain-Software unter neuem Management: Alle Kunden arbeiten mit IBM-Computern der ehemaligen Familie AS400, die heute unter der Marke i-Serie der Serverrechner vermarktet wird. Sie hat gerade bei deutschen Mittelständlern eine über Jahre gewachsene Nutzergemeinde. Diese kann SAP nur schwer bedienen.

Mit einer weiteren Wiedergeburt eines gefallenen ERP-Anbieters ist eventuell im Falle von Baan zu rechnen. Der in den Niederlanden gegründete Konzern wurde Mitte des Jahres von der in Chicago beheimateten SSA Global Technologies übernommen. Hinter diesem ursprünglich aus Italien stammen Unternehmen steht nach Meldungen der IT-Fachpresse die Finanzholding General Atlantik Partners, zu denen auch der ehemalige Mannesmannchef Klaus Esser gehört.

Auch in den USA gibt es eine interessante Entwicklung. Dort zwingt der mächtige Handelskonzern Wal-Mart seine Zulieferer auf eine einheitliche Linie der Softwareunterstützung. Bis Oktober dieses Jahres müssen Firmen, die den Handelskonzern beliefern wollen, mit der Business-Software des Abnehmers arbeiten. Doch diese kommt nicht etwa von SAP, Peoplesoft oder Oracle, sondern von dem kaum bekannten texanischen Softwarehaus iSoft.

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