Geschichte einer Möbelfirma
Schöpferische Zerstörung in Wadersloh

Durch eine radikale Änderung ihres Geschäftsmodelles hat die ostwestfälische Möbelfirma Paschen & Companie nicht nur eine Nische besetzt, sondern auch ein florierendes Unternehmen geschaffen: In den 90er Jahren war die Firma in desolatem Zustand, heute verlassen mehr als 70 maßgefertigte Bibliotheken das Werk – jeden Tag.

WADERSLOH. Für den berühmten österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter war nur derjenige ein Unternehmer, der „eine neue Kombination durchsetzt.“ Ein Pionierunternehmer sei eben keiner, der sich an bestehende Verhältnisse anpasst, sondern einer, der seiner Zeit voraus ist. Schumpeter sprach von „schöpferischer Zerstörung“.

Es dürfte ganz nach Schumpeters Geschmack gewesen sein, als der Möbelfabrikant Günter Paschen zu Beginn der 90er-Jahre gemeinsam mit seinen beiden ältesten Söhnen Jan und Christian die Geschichte des Unternehmens Paschen & Companie im ostwestfälischen Wadersloh hinter sich ließ, um die Firma zukunftsfähig zu machen.

Damals baute das Unternehmen noch Anbauelemente, Regalsysteme, Speisezimmermöbel und Esszimmervitrinen. „Masse und Preis hatten in den 80er-Jahren den Markt dominiert“, erinnert sich Jan Paschen. „Nicht die Möbelfabrikanten bestimmten ihr Angebot, sondern die Handelsvertreter bestimmten, was der Kunde zu wünschen hätte.“

Paschen & Companie hatte goldene 70er-Jahren erlebt, dann die Massenentlassungen in den 80er-Jahren, schließlich fehlte der Schwung. Günter Paschen, der in vierter Generation die Geschicke des Möbelunternehmens seit 1958 führte, war unglücklich mit seinem Unternehmen, er hatte keine rechte Freude mehr daran und überließ anderen wichtige Entscheidungen. Doch 1990 befreite er sich aus der Lethargie.

In ihm war eine Idee gereift, wie das 1883 gegründete Unternehmen besser zu ihm passen und wie er das Überleben des Betriebs sichern könnte. Was aus heutiger Sicht erfolgreich ist, sorgte damals bei Handelsvertretern und selbst beim eigenen Vertrieb für Kopfschütteln. Denn Günter Paschen ging eben nicht den Weg, es dem Markt und dem Vertrieb Recht zu machen, sondern er vertraute auf seine Intuition.

Für Günter Paschen ging es um die Erkenntnis, dass er mit seinem Unternehmen etwas produzieren wollte, zu dem er voll und ganz stehen kann. Und das war: Leben mit Büchern.

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