Gesetzentwurf kurz vor der Verabschiedung
Die große GmbH-Reform kommt

Gute Nachrichten für zukünftige Unternehmer: Mit einer Art Mini-GmbH rüstet der deutsche Gesetzgeber die "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" für den europäischen Wettbewerb. Kann die Einstiegsvariante halten, was sie verspricht?

BERLIN. Der Bundestag macht morgen den Weg frei für die größte Reform des GmbH-Rechts seit 100 Jahren. Der Gesetzgeber rüstet die bestehenden großen "Gesellschaften mit beschränkter Haftung" nicht nur für den europäischen Wettbewerb. Er schafft auch für Zehntausende zukünftige Unternehmensgründer eine günstige Einstiegsvariante, eine Art Mini-GmbH, für die nur ein symbolisches Stammkapital von einem Euro erforderlich ist. Das Handelsblatt hat mit der Rechtsanwaltskanzlei Linklaters die wichtigsten Regeln in einer Übersicht zusammengestellt (siehe Tabelle).

Jürgen Gehb, rechtspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, sprach trotz Kritik aus Teilen der Wirtschaft von einer "kleinen Revolution", die durch das in der Kurzform sogenannte MoMIG ausgelöst werde. "Mo" steht für Modernisierung und Benutzfreundlichkeit. Der Wortbestandteil "MI" drückt aus, dass sich die Geschäftsführer bei Missbrauch wärmer anziehen müssen. Das MoMIG will damit die Interessen der Investoren mit denen der Gesellschafter, also den GmbH-Geschäftsführern, besser verzahnen.

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung gibt es seit 1892. Die Gesellschafter haften nur mit ihrem eingesetzten Kapital. Derzeit gibt es rund eine Million GmbHs in Deutschland. Die Rechtsform galt über Jahrzehnte hinweg bei Rechtsexperten als Welterfolg, vergleichbar mit dem VW-Käfer oder Aspirin. Der Reformbedarf entstand allerdings vor ein paar Jahren, als der Europäische Gerichtshof der Einführung der britischen Rechtsform Limited (Ltd.) den Weg ebnete und damit eine billige Alternative zur GmbH schuf. Das Erfolgsmodell GmbH bekam Konkurrenz. Die Limited riss die rechtlichen Mauern um Deutschland ein. Auch wenn die Limited bei Banken einen schlechten Ruf hat und damit wenig Vertrauen genießt, stieg der Druck für die GmbH-Reform. Hinzu kam: Im Gründerland Deutschland werden immer weniger kleine Firmen ins Leben gerufen - die rechtlichen Hürden schrecken offenbar viele ab.

Im Zuge der Gesetzesberatung wurde die ursprünglich von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) vorgesehene Idee aufgegeben, das Mindeststammkapital von 25 000 Euro auf 10 000 Euro abzusenken. "25 000 Euro sind eine gewisse Seriositätsschwelle. Die bereits bestehenden GmbHs sollten auch nicht den Eindruck haben, der Gesetzentwurf produziert eine GmbH light", sagte Gehb zur Begründung. Die Absenkung des Stammkapitals sei mit der Einführung der "Unternehmergesellschaft" ohnehin nicht mehr nötig.

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