Gesunkene Auftragsbestände
Handwerk beklagt trübes Frühjahr

Das deutsche Handwerk wartet weiter vergeblich darauf, dass sich das Geschäftsklima aufhellt. Vielmehr hätten sich die Geschäftsaktivitäten im ersten Quartal 2005 „über das saisonübliche Maß hinaus und stärker als erwartet verlangsamt“, fasst der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) seine Frühjahrsumfrage unter insgesamt 22 500 Handwerkern zusammen.

dc HB BERLIN. Danach haben in den ersten Monaten des Jahres 59 Prozent der Betriebe im Westen und 66 Prozent der Betriebe im Osten sinkende Umsätze verzeichnet. Zugleich meldet mehr als die Hälfte der Befragten gesunkene Auftragsbestände.

Für den weiteren Jahresverlauf bleibt der ZDH dennoch zumindest insoweit zuversichtlich, als er seine ohnehin skeptische Jahresprognose aus dem vergangenen Herbst vorerst nicht korrigiert. Danach wird die Zahl der Beschäftigten im Handwerk in diesem Jahr um 100 000 oder rund zwei Prozent sinken. Im vergangenen Jahr belief sich der Rückgang noch auf 178 000. Für den Gesamtumsatz rechnet der Verband mit einem Minus von einem Prozent oder 4,7 Mrd. Euro. Allerdings, schränkte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer ein: Diese Prognose bleibe nur erreichbar, wenn sich die inländische Konsum- und Investitionsnachfrage im Jahresverlauf deutlich verstärke. „Unsere Betriebe hoffen auf einen solchen Sommeraufschwung“, betonte er. Immerhin erwarteten gut zwei Drittel der Handwerker für die nächsten Monate eine steigende oder zumindest gleich bleibende Auftragslage.

Für den „unterbrochenen Stabilisierungsprozess“ macht der ZDH neben dem langen Winter die Reformen am Arbeitsmarkt und im Gesundheitswesen verantwortlich. Belastend wirke die „stark zunehmende Konkurrenz durch subventionierte Ich-AGs, ausländische Anbieter und Ein-Euro-Jobs“. Zudem hätten bei Zahntechnikern und Augenoptikern die reduzierten Krankenkassenzuschüsse für Zahnersatz und Brillen die Umsätze stark gedrückt.

Von der Politik verlangte Schleyer „kurzfristige Reaktionen auf den Hilfeschrei der Betriebe“ und erneuerte seine Forderung, Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten steuerlich ebenso zu begünstigen wie haushaltsnahe Dienstleistungen. Mit Blick auf die geplante Bundestagswahl im September bekräftigte er die Forderung nach einem zusammenhängenden Konzept zur Senkung der Steuer- und Abgabenlast und warnte davor, die beim „Job-Gipfel“ im März verabredeten Entlastungen für Unternehmen scheitern zu lassen. Auch den Mehrwertsteuerdebatten der Union erteilte er eine Absage: „Das Vertrauen der Wirtschaft darf auch nicht durch Steuererhöhungsdiskussionen verspielt werden – ganz egal über welche Steuerart wir reden oder über wie viel Prozentpunkte.“

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