Gewebezüchtung
Haut aus dem Labor, Knochen aus dem Drucker

Gewebezüchtung ist eines der dynamischsten Felder der Biotechnologie. Der Markt für künstliches Gewebe wächst – Grundlagenforscher arbeiten an neuen, günstigeren Verfahren. An Ideen mangelt es den Unternehmen nicht, doch noch stoßen die Forsche auf Widerstände.

KÖLN. Andreas Emmendörffer züchtet Haut. Im Labor der Leipziger Firma Euroderm wachsen Zellkulturen zu kleinen Hautinseln von einem Quadratzentimeter Größe heran, gezogen aus den Wurzeln vom Kopfhaar. Mit der Technik kann Euroderm binnen vier bis sechs Wochen von jedem Menschen Haut als Ersatzteil herstellen. Ein einzigartiges Verfahren in Europa, sagt der Geschäftsführer. Für Menschen mit chronischen Wunden, die nicht verheilen wollen, sei Euroderm oft der letzte Ausweg.

Gewebezüchtung, auf englisch Tissue Engineering, ist eines der dynamischsten Felder der Biotechnologie und steht kurz davor, der Medizin jede Menge neuer Möglichkeiten zu eröffnen. Wissenschaftler träumen von künstlichen Organen aus dem Labor, die nicht mehr vom Körper abgestoßen werden. Und von synthetischen Nervenzellen, mit denen Gelähmte wieder gehen können. Das alles ist noch Zukunftsmusik. In der Gegenwart sind die Pioniere des Gebiets damit beschäftigt, sich Märkte zu erschließen. Und das bereitet vielen Probleme.

An Ideen mangelt es den Unternehmen nicht: Mehr als 400 Patente sind hierzulande schon auf dem Gebiet der regenerativen Medizin eingereicht worden, jenem Forschungsfeld, das sich mit der Heilung verletzter Gewebe und Organe beschäftigt. Deutsche Forscher zählen hier weltweit zur Führungsriege. Doch es fehlt vielen an guten Strategien, um damit auch Geld zu verdienen. „Noch ist nicht erkennbar, welches Geschäftsmodell sich am Markt durchsetzen wird“, sagt Ralf Emmerich von Capgemini Consulting.

Die Unternehmensberatung hat 2007 im Auftrag des Forschungsministeriums den Markt für regenerativen Medizin untersucht. Danach ist das Potential beachtlich: Bis zu 100 000 Patienten könnten jährlich von biotechnologisch erzeugtem Hautgewebe profitieren, 180 000 von regenerativen Herztherapien, man könnte 6 500 Leberpatienten und 66 000 Menschen mit Problemen am Skelett helfen. Geschätztes Umsatzpotential: über 1,8 Mrd. Euro. Davon ist die Branche allerdings noch weit entfernt.

Die Hälfte der Unternehmen, die Capgemini befragte, erwirtschaftete unter einer Mill. Euro Umsatz. Für aufwändige Zulassungsverfahren fehlt das Geld. Kürzlich hat die EU zwar ein einheitliches Verfahren beschlossen, das die Zulassung neuer Therapien in Europa vereinfacht. Aber mit rund 230 000 Euro ist es viel teurer ist als nationale Verfahren. Nun will die EU kleinen Unternehmen die Kosten in einer Übergangsphase zur Hälfte erlassen.

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