Globalisierung
Ägypten stößt an strukturelle Grenzen

Es gab günstige Rahmenbedingungen und die hat Ägypten genutzt: Umfassende Reformen haben die Wirtschaft in einen Aufschwung geführt. Doch zunächst hat nur die Oberschicht profitiert, weitere Reformen erscheinen nötig, um das Wachstum zu konservieren – doch damit steht das Land am Mittelmeer vor großen Problemen.

KAIRO. An den Rändern der Hauptstadt Kairo lässt sich begreifen, wie stark Ägyptens Wirtschaft wächst. Supermärkte, orientalisierte Reihenhauskomplexe und eingemauerte Palastviertel wuchern in die Wüste hinaus. Jahr für Jahr frisst sich die 18-Millionen-Metropole kilometerweit in die Ödnis. Und doch trügt das Bild: Rohbauten bleiben über Jahre hinweg Rohbauten, viele Projekte bestehen aus einem imposanten Tor – und nichts dahinter. Die einstige arabische Großmacht ist aus der Lethargie erwacht und regt sich mächtig, doch noch muss sie einen langfristig lukrativen Platz in der Globalisierung finden.

Seit 2004 befindet sich die Wirtschaft in einem starken Aufwärtstrend. „Wir hatten drei ziemlich gute Jahre und wachsen weiter um 6,5 bis acht Prozent pro Jahr“, sagt Investitionsminister Mahmoud Mohieldin (siehe auch „Acht Fragen an ...“). Eine Prognose, die von der Weltbank und der OECD ebenso geteilt wird wie von Unternehmern vor Ort. Ägypten profitiere gewaltig vom Reformschub und sei schnell zu einer „dynamischen Marktwirtschaft“ herangewachsen, lobt die OECD.

Direktinvestitionen, die vor fünf Jahren noch bei 500 Mill. Dollar lagen, sind jetzt bei sechs Mrd. Dollar pro Jahr (siehe Grafik). Deutsche Investitionen rangieren in der Statistik zwar hinten, sind nach Angaben der Vertreter vor Ort aber tatsächlich deutlich höher. Auch der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Ägypten wächst zweistellig.

Der Erfolg wird einer kleinen Reformertruppe in der Regierung von Premier Ahmad Nazif zugerechnet. Unter Führung von Wirtschaftsminister Rashid Muhammad Rashid, einem früheren Unilever-Manager, haben sie den Handel liberalisiert, Staatsbetriebe verkauft und Schneisen durch die Bürokratie geschlagen. Am plakativsten war die Steuerreform 2006: Die Spitzensteuersätze wurden bei der Gewinnsteuer von 42 und bei der Einkommensteuer von 32 Prozent auf einheitliche 20 Prozent gesenkt.

„In Ägypten kann man als Unternehmer viel bewegen“, sagt Friedrich Becker, Werksleiter der Bavarian Auto Manufacturing Co., ein katarisches Unternehmen, das BMW-Modelle in Kairo montiert. Seit 2004 habe man „eine Regierung, die uns Unternehmer versteht“. Andere Geschäftsleute berichten mit glänzenden Augen von „extrem hohen Gewinnmargen in vielen Nischen“.

Angesichts von Kosten, die allenfalls ein Drittel etwa von denen in Dubai betrügen, eigne sich Ägypten als Sprungbrett für die Golfregion, in deren Schatten es so oft stehe. Und nicht zuletzt biete das autoritär geführte Land „Stabilität und Sicherheit“.

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