Goldgräberstimmung bei Investoren
Europa sucht Nähe zum Wirtschaftsstar Vietnam

Vietnams Wirtschaft boomt: Die Wachstumsraten, nur vom Nachbarn China übertroffen, sorgen bei Europas Investoren für Goldgräberstimmung. Nachdem zunächst die USA die wirtschaftliche Öffnung ihres einstigen Kriegsgegners mit politischem Wohlwollen honorierten, sucht nun auch die Europäische Union die Nähe zur kommunistischen Führung des Landes.

BRÜSSEL. Heute will Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Hanoi die Verhandlungen über ein Partnerschaftsabkommen der EU mit Vietnam eröffnen. Die Vorbehalte über das mit harter Hand erzwungene Machtmonopol der kommunistischen Partei, über die Verhaftung von Regimekritikern und die Diskriminierung ethnischer Minderheiten werden angesichts der verlockenden ökonomischen Perspektiven hintenangestellt.

In der Tat verzeichnet Asiens neuer Wirtschaftsstar beachtliche Erfolge. Die Wachstumsraten liegen seit Jahren bei sieben bis acht Prozent. Und anders als in vielen Nachbarländern profitiert von dem Boom die überwiegende Mehrheit der 85 Millionen Vietnamesen. Innerhalb von 15 Jahren sank der Anteil der Allerärmsten, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, von 51 auf acht Prozent. Verantwortlich dafür ist die 1986 von den Kommunisten begonnene Politik marktwirtschaftlicher Reformen, die Vietnam zu einer der offensten Volkswirtschaften Asiens gemacht hat: Die Exporte machen heute zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus.

Vor allem Textilien und Schuhe werden in Vietnam für westliche Abnehmer produziert, oft durch teilprivatisierte vietnamesische Subunternehmen. Der US-Sportartikelhersteller Nike ist über seine Vertragsproduzenten inzwischen der größte Arbeitgeber im Land mit rund 200 000 Beschäftigten. Auch deutsche Firmen wie Adidas, C&A und Seidensticker fertigen in Vietnam.

Bei Schuhen fühlen sich europäische Hersteller inzwischen so stark von ihren vietnamesischen Billigkonkurrenten bedroht, dass die EU vor einem Jahr einen Schutzzoll verhängt hat. Vietnam exportiere seine Schuhe zu illegalen Dumpingpreisen, begründete Brüssel den von der Regierung in Hanoi heftig kritisierten Schritt.

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