Graf will Rennstrecke bauen
Von Heilbädern, Moneten und Motoren

Seit Jahrhunderten sitzt in Bad Driburg die Unternehmensgruppe der gräflichen Familie von Oeynhausen-Sierstorpff, zu der auch das einzige Heilbad in Familienbesitz gehört. Nun will Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff sich selbst ein Denkmal setzen - und eine Rennstrecke bauen.
  • 2

BAD DRIBURG. Männer und ihre Spielzeuge: Ein Fiat Cinquecento - dunkelblau, mit rotem Kunstleder -, ein alter Porsche, auf dem schon Vater und Großvater je 100 000 Kilometer abspulten, und ein Jaguar E-Type. Mit dem hat Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff schon Oldtimer-Rennen auf dem Nürburgring gewonnen. Fehlt noch der Audi A4 Kombi, schließlich hat der Graf auch einen Job plus Alltag. Ihm gehört das einzige deutsche Heilbad in Familienbesitz, mit Luxushotel, Park im englischen Stil und vier Rehakliniken. Und wenn es nach ihm geht, ist er bald der erste, der seit 80 Jahren in Westdeutschland wieder eine Rennstrecke baut.

Es ist der Stoff, aus dem Filme gemacht werden: Alter Adel, Luxus und Millionen, schnelle Autos. Wäre nur der Ort nicht so wenig glamourös: Bad Driburg in Ostwestfalen-Lippe, diesem kaum bekannten Landstrich im östlichsten Zipfel Nordrhein-Westfalens. Seit Jahrhunderten sitzt hier die Unternehmensgruppe der gräflichen Familie von Oeynhausen-Sierstorpff. Doch die war vor etwas mehr als zehn Jahren fast am Boden. Also musste sich der 49-Jährige etwas einfallen lassen.

Verkaufen und auswandern oder investieren? Graf und Gräfin entschieden sich, zu bleiben. Sie nahmen 25 Millionen Euro in die Hand, machten aus dem Kurhotel eine Luxusherberge mit Golfplatz und Wellness-Oase. Heute arbeiten für das 1782 gegründete Familienunternehmen, das dem Grafen in siebter Generation gehört, 1300 Mitarbeiter. Der Umsatz liegt bei 80 Millionen Euro im Jahr. Nun, das es wieder läuft, setzt sich Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff mit der Rennstrecke ein Denkmal.

Eine Adelsfamilie sucht und findet ihren Platz in der Bürgergesellschaft - so könnte man diese Geschichte umschreiben. Es ist die Geschichte eines Adeligen, für den es normal ist, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, statt von Glanz, Partys und dem geerbten Geld zu leben; eines Mannes, den die Menschen in Bad Driburg schlicht "den Grafen" nennen.

Als Graf Marcus 1995 vom Vater Caspar das Steuer übernahm, lief es noch halbwegs rund. Doch schon ein Jahr nach der Übernahme folgte so etwas wie eine Vollbremsung: die Gesundheitsreform. Die Kurgäste blieben immer häufiger weg, das Heilbad war ohnehin schon lange nicht rentabel zu betreiben. Seitdem er da sei, sei alles schlechter geworden, habe der Vater halb im Scherz nach Antritt zum jungen Grafen gesagt, erzählt dieser.

Das ließ er nicht lange auf sich sitzen. Für den Grafen war es auch die Bürde der Familientradition, die ihn antrieb - und noch heute antreibt: "Wären Sie gerne die Generation, die aufgibt?", fragt er. Er investierte und trennte sich von allem, was den Mief von der Kur verströmte. Wellness mit einem Hauch von Gesundheitsanspruch verkauft das Luxushotel heute. "Er hat in das richtige Segment investiert", sagt Stephan Gerhard, Präsident der auf Hotels spezialisierten Beratung Treugast.

Das Hotel, der Park, der Golfplatz - all das zieht Gäste an, mehr als der Graf im Jahr drei nach der Wiedere-röffnung geglaubt hätte. Doch reicht das nicht, 2009 war kein gutes Jahr. Der Graf musste seinen Mitarbeitern abverlangen, auf einen Teil des Weihnachtsgelds zu verzichten. Einige im Ort treibt die Sorge, "dass sich der Graf an der ein oder anderen Stelle übernimmt", sagt Herbert Falke, der für die Grünen im Driburger Stadtrat sitzt.

Seite 1:

Von Heilbädern, Moneten und Motoren

Seite 2:

Kommentare zu " Graf will Rennstrecke bauen: Von Heilbädern, Moneten und Motoren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Leider muss ich feststellen, dass in diesem Artikel wie auch in dem Artikel in der Printausgabe vom 23.8.2012 sehr schlecht recherchiert wurde und z.T. inhaltlich falsch ist. Das Niveau erinnert eher an die Bild-Zeitung als an eine gehobene Wirtschaftszeitung und steht in krassem Widerspruch zu dem Anspruch, den das Handelsblatt eigentlich an sich selber haben sollte.

    Nur die Seite der Teststreckengegner kommt zu Wort. Nur weil sie prominente Unterstützer wie Claudia Roth u.ä. haben schwingt sich eine Minderheit wieder einmal zur vermeintlichen Mehrheitsmeinung auf. Dabei haben mittlerweile über 12.000 Menschen die Petition für den Bilster Berg unterschrieben (https://www.openpetition.de/petition/online/ja-zum-bilster-berg). Aber das wird alles unterschlagen. Das Projekt ist große Chance auf neue Arbeitsplätze in einer strukurschwachen Region - und im Gegensatz zum Nürburgring wir das Risiko hier durch einen privaten Investor getragen. Ich kann nicht verstehen, warum hier wieder mal wenige die Chancen auf wirtschaftliche Entwicklung für viele kaputt machen wollen !

  • Es scheint immer weiter in Vergessenheit zu geraten, dass im Jahre 1919 der Adel und seine Standesvorrechte in Deutschland rechtlich abgeschafft wurden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%