Greentech-Dschungel
Grüne Firmen haben es bei der Kreditvergabe schwer

Kredite zu bekommen ist für Firmen aus dem Greentechsektor oft kein leichtes Unterfangen. Grund: Banken sehen in den grünen Technologien oft mehr Risiko - und bei den Förderprogrammen mangelt es an Durchblick.
  • 0

KölnWer einen Backofen hat, kennt das Problem mit der Reinigung. Doch das ist noch kein Vergleich mit dem Aufwand, den die Besitzer von Industriebacköfen betreiben müssen. In die Großgeräte passen weit mehr als 100 Backbleche. Normalerweise greifen die Firmen dann zu viel Chemie, um die dicke Schmutzschicht zu entfernen. Eine umweltschonende Variante haben Edwin Büchter und Winfried Barkhausen erfunden, als sie 1997 beim Fraunhofer-Institut für Lasertechnik arbeiteten. Die Idee: Ein Laser sollte die Reinigung übernehmen. Doch die Banken sträubten sich, bei der Unternehmensgründung zu helfen. Zu abgedreht erschien ihnen der Ansatz. Sie verlangten eine Marktanalyse – doch einen Markt zu analysieren, den es noch gar nicht gab, überforderte die beiden Erfinder.

Bei Umwelttechnologien sind Kredite schwer zu bekommen – auch heute noch. „Grüne Innovationen werden von den Banken nach wie vor als riskanter eingeschätzt“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW). Klassische Kredite in Branchen wie Maschinenbau, Stahl oder Touristik seien leichter zu bekommen.

Dabei können nur die wenigsten Greentechunternehmen ihr Wachstum selbst finanzieren. 80 Prozent aller Patente stammen hier dem BVMW zufolge von kleinen und mittleren Firmen. Die Banken wiederum lassen sich aussichtsreiche Geschäfte entgehen: Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll sich das Marktvolumen der Greentechbranche laut Bundesumweltministerium mehr als verdoppeln.

Fehlende Expertise

Dass neue Techniken und risikoscheue Banker nicht übereinkommen, liegt zum Teil an Informationslücken auf Seiten der Finanzinstitute. „Die Banken können in dem Bereich bislang nicht unterscheiden, was förderungswürdig ist und was nicht“, sagt Claudia Kemfert, Umweltexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Für Verwirrung sorgt auch der für viele Unternehmer schwer zu durchschauende Dschungel an Förderprogrammen. Laut BVMW gibt es im grünen Bereich davon zurzeit mehr als 1200. Der größte Teil der Förderung entfällt auf die KfW Bankengruppe. Diese Mittel kann der Mittelständler jedoch nur über die Hausbank beantragen. Auf regionaler Ebene gibt es zudem die 16 Förderinstitute der Länder – etwa die NRW Bank, die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen oder Investitionsbank Schleswig-Holstein. Die Hausbanken greifen häufig auf das jeweilige Förderinstitut in ihrem Bundesland zurück, um sich mit ihnen das Kreditrisiko zu teilen.

Seite 1:

Grüne Firmen haben es bei der Kreditvergabe schwer

Seite 2:

Kommentare zu " Greentech-Dschungel: Grüne Firmen haben es bei der Kreditvergabe schwer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%