Großbauprojekte
Fußball-EM lässt Polens Bauwirtschaft boomen

Kaum hat das Länderduo Polen/Ukraine den Zuschlag für die Fußball-Europameisterschaften 2012 erhalten, bekommt die polnische Bauwirtschaft im Handumdrehen neuen Schwung. Mindestens 100 Hotels, fast 900 km Autobahnen und 2.000 km Schnellstraßen sollen gebaut werden. Die Hilfe der fußballerfahrenen Deutschen ist dabei sehr willkommen.

bfai WARSCHAU. Die boomende polnische Bauwirtschaft erhält weiteren Auftrieb durch den Beschluss der UEFA, die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine zu organisieren. Stadien müssen modernisiert und neu errichtet werden. Für die Projekte, die auch als PPP realisiert werden können, sollen zum Teil EU-Mittel verwendet werden.

Auf die polnische Bauwirtschaft kommen durch die Austragung der Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2012 (Euro 2012) weitere umfangreiche und aufwendige Projekte zu. Deutsche Firmen sollten versuchen, sich an den Projekten zu beteiligen, zumal Deutschland durch die Organisation der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 entsprechende Erfahrungen gesammelt hat. Schon jetzt macht sich ein Mangel an Arbeitskräften und Baumaterialien im Land bemerkbar; Löhne und Preise steigen.

Vertreter der Zement-Branche sehen die Durchführung der notwendigen Projekte bereits in Gefahr. Die von der EU geforderte Begrenzung des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) könnte die Preise nach oben treiben. Für eine vermehrte Zementproduktion müssten weitere Emissionsrechte erworben werden. Die Preise würden um 60 bis 130 Zloty pro Tonne steigen. Derzeit kostet eine Tonne Zement etwa 240 Zl (rund 63,5 Euro, 1 Euro=3,78 Zl). Im Jahr 2006 stellte Polen bereits 14,6 Mill Tonnen Zement her (2005: 12,2 Mill. Tonnen), und weitere Investitionen sind geplant. Für 2007 wird ein Verbrauch von 16 Mill. Tonnen erwartet. Die Prognosen gehen von einer kontinuierlichen Steigerung auf 24,9 Mill. Tonnen im Jahr 2012 aus.

Der führende Hersteller von Bauchemieprodukten, die Atlas-Gruppe, will für rund 500 Mill. Zl ein eigenes Zementwerk errichten. Den Betrag von 400 Mill. Zl soll dabei entweder ein Brancheninvestor aufbringen, oder er soll über die Börse generiert werden. Es ist laut dem Atlas-Vorsitzenden Roman Rojek vorgesehen, die Gruppe noch 2007 zu konsolidieren und in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Sie hatte 2002 Kalkvorkommen bei Opole (Oppeln) erworben, die sie nun ausbeuten will. Der Jahresausstoß des Zementwerks soll 1,0 Mill. bis 1,2 Mill. Tonnen erreichen.

Auch die Cemex sp.z o.o. investiert in die Zementproduktion. Sie bringt rund 200 Mill. Zl auf, um 2007 ihre bestehenden Linien in Chelm und Rudniki zu modernisieren und umweltfreundlicher zu gestalten. Der Cemex-Konzern ist seit 2005 in Polen präsent und beschäftigt dort über 1300 Mitarbeiter.

Um die Euro 2012 austragen zu können, muss Polen nicht nur mehrere Stadien neu bauen und die bestehenden modernisieren. Erforderlich sind auch Investitionen in die Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur. Experten veranschlagen den Bedarf an neuen Autobahnverbindungen auf etwa 870 km und den an Schnellstraßen auf etwa 2000 km. Rund 1000 km Schienen und acht Flughäfen sind zu modernisieren. Um die zahlreichen Gäste unterbringen zu können, müssen noch mindestens 100 Hotels gebaut werden. Die erwarteten 0,5 Mill. Fans sollen etwa 800 Mill. Euro im Land ausgeben.

Experten veranschlagen den Wert der in Polen notwendigen Investitionen auf insgesamt 37 Mrd. bis 40 Mrd. Euro. In Warschau ist das U-Bahn-Netz weiter auszubauen. Finanzministerin Zyta Gilowska schätzt den zusätzlichen Wachstumseffekt durch die Austragung der Euro 2012 auf 1 Prozentpunkt des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

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