"Große Chancen für Kapitalbeschaffung über externe Investoren"
„Reine Familienunternehmen sind passé“

„Die Zeit der reinen Familienunternehmen ist bald vorbei“, diese Prognose wagte Norbert Winkeljohann, Vorstand der Unternehmensberatungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC), am Rande einer Informationsveranstaltung seines Unternehmens zum Thema „Neuer Mittelstand“ in Hamburg. Winkeljohann betonte im Gespräch mit dem Handelsblatt die wachsende Bedeutung von alternativen Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung für mittelständische Unternehmen.

HB HAMBURG. Dabei gewinnt die Beteiligung von externen Investoren oder die Beschaffung von so genanntem Mezzanine-Kapital (Genussscheine, stille Beteiligungen) – auch für Familienunternehmen – immer mehr an Gewicht. Denn sowohl im internationalen als auch im nationalen Vergleich schneiden mittelständische Unternehmen beim Eigenkapital traditionell schlecht ab: 20 % beträgt die durchschnittliche Eigenkapitalquote eines mittelständischen Unternehmens nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank und der EU-Kommission hier zu Lande, während sie in den USA bei 45 % und in Großbritannien bei 40% liegt. Auch im Vergleich zu Unternehmen, die im TecDax gelistet sind, ist der deutsche Mittelstand im Nachteil. Denn TecDax-Firmen kommen auf eine beachtliche durchschnittliche Eigenkapitalausstattung von 50 %. „Nach unseren Beobachtungen beträgt die tatsächliche Eigenkapitalquote im deutschen Mittelstand eher 10 als 20 %“, deutet Winkeljohann an.

Durch die neue Eigenkapital-Richtlinie für die Banken gemäß des Abkommens Basel II hätten viele Unternehmen ernsthafte Probleme bei der Kapitalbeschaffung bekommen, berichtet Winkeljohann. Trotz eines derzeit relativ niedrigen Marktzinses von 3,5 bis 4%, würde von Unternehmen, deren Bonität schlechter als die der Branchenspitze bewertet werde, inzwischen der doppelte Zinssatz verlangt. Außerdem hätten einige Banken mittlerweile „Spreu vom Weizen getrennt“ und zahlreiche Bankverbindungen sogar komplett gekappt, so Winkeljohann. Die Folgen seien neben den „argen Finanznöten zahlreicher Unternehmen“ vielfach ein geringeres potenzielles Wachstum und auch ein höheres Überschuldungsrisiko – gerade in Zeiten der Rezession.

„Dabei nehmen die Möglichkeiten der Eigenkapitalbeschaffung in ihrer Vielfalt derzeit sogar zu“, berichtet Winkeljohann. Mancher mittelständischer Unternehmer müsste sich aber von dem Gedanken trennen, seine Firma über weitere drei Generationen in reinem Familienbesitz zu behalten. Die Einbeziehung von externem Risikokapital sei durchaus eine Möglichkeit, die Firmeninhaber in Betracht ziehen sollten, so Winkeljohann.

Dabei sollten die Unternehmen die Vermittler von Wagniskapital aber auf Herz und Nieren prüfen.

Seite 1:

„Reine Familienunternehmen sind passé“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%